Hufrehe bei trächtigen und laktierenden Stuten
Kurze Zusammenfassung
Trächtigkeit schützt eine Stute nicht vor Hufrehe. Auch während der Trächtigkeit und nach der Geburt können Stuten Hufrehe entwickeln. Der Grund liegt darin, dass diese Lebensphase für den Organismus eine besonders intensive Stoffwechselbelastung darstellt. Hormonelle Veränderungen, steigender Energiebedarf, Fütterungseinflüsse und bestehende Stoffwechselrisiken können zusammenwirken und dazu führen, dass sich eine Hufrehe entwickelt oder erneut aufflammt.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde von unserer Tierärztin Katrin Knecht und auf Basis der Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin und unseren Beraterinnen erstellt.
Katrin Knecht bringt über 20 Jahre veterinärmedizinische Erfahrung in den Bereichen Fütterung, Stoffwechsel und naturorientierte Tierbegleitung ein und begleitet die fachliche Entwicklung zahlreicher Rezepturen im Tierheilkundezentrum Nehls.
In unserer täglichen Praxis zeigt sich immer wieder, dass Hufrehe nicht nur bei übergewichtigen Pferden oder nach klassischen Fütterungsfehlern auftritt. Auch trächtige und laktierende Stuten können betroffen sein. Gerade diese Lebensphase fordert den Organismus stark, da Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Verdauung und Durchblutung gleichzeitig die Bedürfnisse der Stute und die Entwicklung des Fohlens tragen müssen.
Kann eine trächtige Stute Hufrehe bekommen?
Ja. Trächtigkeit macht eine Stute nicht immun gegen Hufrehe. Auch während der Trächtigkeit oder kurz nach der Geburt können akute oder schleichende Hufreheepisoden auftreten. Entscheidend sind nicht die Trächtigkeit selbst, sondern die zugrunde liegenden Stoffwechselprozesse, Fütterungseinflüsse und individuellen Risikofaktoren.
Warum ist der Stoffwechsel bei trächtigen Stuten besonders belastet?
Während der Trächtigkeit steigt der Energiebedarf deutlich an. Gleichzeitig verändern hormonelle Prozesse den gesamten Stoffwechsel. Nährstoffe müssen sowohl den Organismus der Stute als auch das wachsende Fohlen versorgen. Haut, Hufgewebe, Hormonsystem, Verdauung und Immunsystem arbeiten in dieser Phase besonders intensiv zusammen.
Welche Rolle spielt die Fütterung bei Hufrehe während der Trächtigkeit?
Die Fütterung gehört zu den wichtigsten Einflussfaktoren. Hohe Zucker- und Stärkeanteile, abrupte Futterumstellungen oder zu energiereiche Rationen können den Stoffwechsel zusätzlich belasten. Gerade leichtfuttrige Stuten reagieren in dieser Phase oft sensibel auf Veränderungen im Futterplan.
Woran erkennt man erste Anzeichen einer Hufrehe?
Typische Hinweise können ein klammer oder vorsichtiger Gang, Lahmheit, warme Hufe oder eine deutlich fühlbare Pulsation der Fesselarterien sein. Manche Pferde zeigen eine Entlastungshaltung oder bewegen sich ungern auf festem Untergrund. Solche Veränderungen sollten immer ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.
Was ist eine Geburtsrehe?
Eine Geburtsrehe kann auftreten, wenn nach der Geburt Teile der Nachgeburt im Körper verbleiben. In dieser Situation entstehen entzündliche Prozesse, die den gesamten Organismus belasten können. Diese Form der Hufrehe gehört zu den klar definierten Notfällen und muss tierärztlich begleitet werden.
Schützt Trächtigkeit vor Hufrehe?
Viele Pferdehalter gehen davon aus, dass eine trächtige oder laktierende Stute vor Hufrehe geschützt sei. Dieses Bild hält sich hartnäckig – entspricht jedoch weder unserer langjährigen Erfahrung im Tierheilkundezentrum Nehls noch den Beobachtungen aus der tierärztlichen Praxis.
Tatsächlich begleiten wir seit vielen Jahren auch trächtige Stuten und Stuten nach der Geburt eines Fohlens, bei denen erstmals oder erneut Hufrehe auftritt.
Trächtigkeit und Laktation stellen für den Organismus einer Stute eine enorme physiologische Herausforderung dar. Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Verdauung und Durchblutung müssen gleichzeitig die Bedürfnisse des Muttertieres und die Versorgung des ungeborenen oder neugeborenen Fohlens abdecken.
Mögliche Auslöser und belastende Faktoren
Hufrehe gilt als multifaktorielles Geschehen. In den meisten Fällen wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen. Dazu zählen Stoffwechselbelastungen, Fütterungsfehler, Übergewicht, hohe Zucker- und Stärkeaufnahme, abrupte Futterumstellungen, Stress oder mechanische Belastungen des Hufes.
Bei trächtigen und laktierenden Stuten kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Der Energiebedarf steigt deutlich, während hormonelle Veränderungen zahlreiche Stoffwechselprozesse beeinflussen.
Eine besondere Situation stellt die sogenannte Geburtsrehe dar. Sie kann auftreten, wenn nach der Geburt Teile der Nachgeburt im Körper verbleiben.
Hufrehe Symptome bei trächtigen und laktierenden Stuten erkennen
Die Symptome unterscheiden sich grundsätzlich nicht von denen anderer Pferde. Typische Hinweise können Lahmheit, ein steifer oder klammer Gang, warme Hufe oder eine verstärkte Pulsation im Bereich der Gliedmaßen sein.
Je früher mögliche Anzeichen einer Hufrehe wahrgenommen werden, desto größer sind die Möglichkeiten, den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen.
Die Rolle der Fütterung bei Hufrehe in Trächtigkeit und Laktation
Aus unserer Sicht spielt die Fütterung eine zentrale Rolle – sowohl als möglicher Belastungsfaktor als auch als wichtiger Hebel zur Stabilisierung.
Ziel ist eine ruhige, strukturreiche Basisfütterung mit hochwertigem Raufutter und möglichst gleichmäßiger Energieversorgung.
Ganzheitliche Betrachtung bei Hufrehe – unser Ansatz im THZ
In unserer täglichen Arbeit betrachten wir Hufrehe nicht isoliert am Huf. Stoffwechsel, Verdauung, Fütterung, Haltung, Stressfaktoren und individuelle Belastungen gehören ebenso zur Ursachenbetrachtung.
Naturheilkundliche Begleitung wird dabei als ergänzende Perspektive verstanden und ersetzt keine tierärztliche Abklärung.
Hufrehe bei trächtigen Stuten braucht Umsicht – nicht Angst
Trächtigkeit und Laktation sind keine Ursachen der Hufrehe. Sie sind jedoch Phasen, in denen der Organismus besonders gefordert ist.
Umso wichtiger ist ein wachsamer Blick auf mögliche Veränderungen, eine ruhige Fütterung und ein ganzheitliches Verständnis der Zusammenhänge.
