Arthrose, Spat, Schale und Hufrollenentzündung

Arthrose, Spat, Schale Hufrollenentzündung

Als Arthrose bezeichnet man einen Gelenkverschleiß.

Spat ist eine Sammelbezeichnung, hierunter fallen sowohl akute Entzündungen der Gelenke und Knochen als auch chronische Entzündungen und Schädigungen (immer am Sprunggelenk).

Schale ist eine Reizung der Knochenhaut und kann dazu führen, dass neues Knochengewebe produziert wird. Solche Knochenwucherungen (= Schale) findet man bei sehr vielen Pferden. Sie befinden sich meistens am Kronbein, Hufbein oder Fesselbein und können sich an allen vier Beinen bilden, meist sind jedoch die Vorderbeine betroffen.
Man unterscheidet zwischen der gelenknahen Schale und der Gelenkschale. Die Gelenkschale ist weitaus schwieriger zu behandeln, da die Gelenkbeweglichkeit stark eingeschränkt ist. Die gelenknahe Schale befindet sich in nächster Umgebung des Gelenks, das Gelenk selber ist nicht betroffen.

Die Podotrochlose, auch Hufrollennekrose oder Hufrollenentzündung ist eine entzündliche, degenerative Veränderung im Bereich der Hufrolle des Pferdes, die aus Strahlbein, Beugesehne und Hufrollenschleimbeutel besteht. Die Nekrose ist am Strahlbein zu beobachten, das sich im Laufe der Zeit verändert.

Probleme im Bewegungsapparat unserer Pferde wie Arthrose, Hufrollenentzündung, Spat und Schale entstehen meist aus einer Kombination von falscher Haltung, fehlerhafter Hufkorrekturen bzw. Beschläge, unpassender Sättel, Traumen und Unfälle, genetischer Dispositionen, zu hohen oder auch zu frühen Arbeitseinsatz, zu schwere Reiter und falscher Fütterung!

Die Hauptursache liegt jedoch generell an Mängeln im Gebäude, also erst einmal ist hier die genetische Disposition vorhanden. Darauf aufbauend entscheidet dann das weitere Leben, inwieweit das Pferd erkrankt oder verschont bleibt! Die wenigsten Pferde bringen genetisch einen fehlerlosen Körperbau mit und sind so bereits durch eine genetische Disposition, beispielsweise durch Fehlstellungen der Extremitäten, für verschiedene Krankheiten des Bewegungsapparates, wie beispielsweise Arthrose, Hufrollenentzündung, Schale und Spat disponiert.

So bilden sich Erkrankungen des Bewegungsapparates und Lahmheiten unserer Pferde im weitesten Sinne aus verschiedenen Faktoren und oftmals auch mehreren zusammenkommenden Faktoren.

Probleme entstehen nicht nur durch nicht passende Sättel, zu hohes Reitergewicht und zu frühes Anreiten des Pferdes, sie sind auch häufig auf Traumen zurückzuführen. Stürze, Festliegen, Rangeleien und Weideunfälle können ebenso zu Erkrankungen führen, wie eine reiterliche Überlastung des Pferdes oder eine genetische Disposition. Auch – man mag es kaum glauben – das “nicht reiten” kann zu Problemen führen. Ein Faktor, der nicht zu unterschätzen ist, ist nämlich auch massives Übergewicht von Pferden. Jedes KG zu viel schadet den Knochen.

Die Faktoren, die wir beeinflussen können, beziehen sich auf eine pferdegerechte Haltung mit viel freier Bewegung und den Arbeitseinsatz des Pferdes. Darüber hinaus gestalten wir die Fütterung und das Pferdefutter des Pferdes, mit der wir den Bewegungsapparat unseres Pferdes optimal unterstützen können. Auch fachgerechte und regelmäßige Hufkorrekturen liegen in unserer Hand.

Unter Einbeziehung der Faktoren, die wir beeinflussen können, können wir optimale Bedingungen für unser Pferd zur Vermeidung von Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie Arthrose, Spat, Schale und Hufrollenentzündung schaffen. Das Pferd ist ein Lauftier und ohne uneingeschränkte Bewegungsmöglichkeit unglücklich und hilflos. Vor diesem Hintergrund sollten wir als in der Verantwortung stehende Personen das Bestmögliche zur Vermeidung von Erkrankungen des Bewegungsapparates leisten sowie auch für eine Regulation von Funktionalitätsstörungen des Bewegungsapparates bestmögliche Bedingungen schaffen, um unserem Freizeitpartner Pferd die zum Glücklichsein notwendige schmerzfreie Bewegung zu ermöglichen.

Doch, was tun, wenn Arthrose, Spat, Schale oder Hufrollenentzündung bereits eingetreten sind?

Als Grundvoraussetzung einer Therapie sollte die Pferdefütterung und Hufbearbeitung optimiert werden.

Arthrose: Todesurteil oder therapierbar?

Unter Arthrose bei Pferden versteht man eine degenerative Gelenkerkrankung. Es handelt sich dabei um den krankhaften Verschleiß der Gelenke. Die Aufgabe der Gelenke besteht darin, die einzelnen Teile des Skelettsystems miteinander zu verbinden und zueinander beweglich zu erhalten. Die Gelenke werden durch die Gelenkkapsel geschützt. Die Gelenkkapsel enthält derbe oder elastische Fasern und Bänder und produziert die Gelenkschmiere (Synovia). Die Gelenkschmiere verhindert das Aneinanderreiben der Gelenke. Eine Arthrose zeichnet sich durch eine fortschreitende Schädigung des Gelenkknorpels aus, die zur eingeschränkten Beweglichkeit führt. Ein weiteres Indiz für eine Arthrose bei Pferden ist das sogenannte Einlaufen zu Beginn der Bewegung; erst nach mehreren Metern Laufens wird der Schritt wieder flüssig, beginnend ist er steif, eckig und starr. Die Verengung des Gelenkspaltes durch Knorpelverlust ist typisch für den Verlauf einer Arthroseerkrankung. Reiben erst einmal die Knorpelflächen aufeinander, führt das zu heftigen Schmerzen des Pferdes.
Die Arthrose gilt als nicht heilbar.

Ziel einer Therapie ist eine Schmerzsenkung sowie ein Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen oder im besten Falle zu stoppen. Inwieweit Therapiechancen bestehen, hängt in erster Linie vom Grad der Arthrose ab. So lässt sich eine im Anfangsstadium befindliche Arthrose recht gut therapieren. Auch wenn die Gelenkschäden nicht rückgängig gemacht werden können, so gelingt es mit ganzheitlichen Therapiemaßnahmen doch, die Schäden nicht weiter fortschreiten zu lassen. Ist die Arthrose bereits weit fortgeschritten und das betroffene Pferd lahmt sichtbar und dauernd, gestaltet sich die Therapie schwierig und mit unklarem Ausgang. Aber auch bei fortgeschrittenen Arthrosen lohnt sich ein Therapieversuch, denn sichtbare Erfolge sind auch bei fortgeschrittenen Arthrosen nicht gänzlich unwahrscheinlich. Ziel der Therapie ist eine Verbesserung oder Wiedererlangung der Lebensqualität des Pferdes. Im besten Falle kann das von Arthrose geplagte Pferd noch viele Jahre annähernd schmerzfrei verbringen und somit seine verloren gegangene Lebensqualität wieder erlangen.
Bei deutlicher und fortwährender Lahmheit aufgrund einer Arthrose gibt es für den Pferdehalter lediglich zwei Möglichkeiten:

a)     Das Pferd zu erlösen.

b)    Eine umfassende Therapie als Chance schnellstmöglich in Angriff zu nehmen. Auch wenn der Ausgang unklar ist, so besteht nur durch umfassende Therapiemaßnahmen eine Aussicht auf Erfolg. Schmerzmittel alleine bewirken keinen Stillstand der Arthrose!

Je weiter die Arthrose vorangeschritten ist, desto kostenintensiver und aufwendiger gestaltet sich ein Therapieversuch.

Arthrose, Spat, Schale und Hufrollenentzündung

Therapiemöglichkeiten einer Anfangsarthrose sowie auch fortgeschrittenen Arthrose sind folgende:

Lokale Möglichkeiten:

Haltung und Hufbearbeitung müssen zwingend auf die Arthrose abgestimmt werden!

Haltung:

Dauernde freie Bewegung auf geraden Ausläufen: Pferde mit Arthrose haben Schwierigkeiten bergauf sowie auch bergab zu gehen, ebenso ist unebener Boden kontraproduktiv und schmerzhaft. Eine dauernde, jedoch frei zu gestaltende, Bewegung ist anzuraten. Arthrose Pferde sollten sich dauernd frei bewegen können, ohne von Herdenmitgliedern gejagt zu werden. Eine Boxenhaltung, auch über Nacht, ist zu vermeiden. Eine Box mit angeschlossenem Paddock oder ein Offenstall sind ideal.

Hufbearbeitung: Eine optimale Hufsituation ist ein ganz wesentlicher Faktor bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Gerne helfe ich bei dieser.

Substanzen im Kampf gegen die Arthrose:

Glucosamin:

Glucosamin ist ein wichtiger Baustein des Knorpels und der Innenhaut der Gelenke. Glucosamin sorgt für eine ausreichende Gelenkschmierbildung und somit auch für eine reibungslose Gelenkfunktion. Glucosamin wird vom Organismus selbst aus Glukose hergestellt und ist ein Aminozucker. Glucosmin ist Bestandteil der so genannten Synovia (Gelenkschmiere). Denn nur eine zähe und somit stabile Gelenkschmiere ist ein wirkungsvoller Puffer zwischen den Knorpelflächen, was eine wichtige Voraussetzung für eine reibungslose Gelenkfunktion darstellt. Darüber hinaus versorgt die Gelenkschmiere das Knorpelgewebe mit Nährstoffen und transportiert Abfallstoffe ab. Mein Ergänzungsfuttermittel Nehls Gelenk Stark besteht zu 100% aus hochkonzentriertem natürlichem Glucosamin und unterstützt so die Bildung und Erhaltung einer stabilen Gelenkschmiere.

Phytotherapie:

Es gibt verschiedene sehr hilfreiche Kräuter für Pferde im Kampf gegen Arthrose, Hufrollenentzündung, Spat und Schale. Wichtig ist hier in erster Linie das Zusammenspiel der unterschiedlichen Kräuter im Kampf gegen die Erkrankung. Daher habe ich meine Kräutermischungen für den Bewegungsapparat des Pferdes so auf einander abgestimmt, dass sie in der Kombination ihre optimale Wirkung entfalten können. Es muss genau ausgelotet werden, welche Menge des einzelnen Krautes in der Gesamtmischung enthalten sein muss, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Einzelkräuter haben sich ebenso wenig bewährt, wie das wahllose und nicht genau Mengen bemessende Zusammenspiel der unterschiedlichen Kräuter. Jedes Kraut hat sein bestimmtes Einsatzgebiet und muss Mengen mäßig im Verhältnis zu den anderen Kräutern einer effektiven Mischung genau passen, um wirklich effektiv zu sein!

In meiner tierheilkundlichen Praxis hat sich am Besten die Kombination von Nehls Gelenk-Stark (= hochdosiertes Glucosamin) plus Lauf-Fit bewährt. Darüber hinaus setze ich zusätzlich häufig Nehls Gelenk-Wohl und Lauf-Fit Spezial wie auch Nehls Gelenk Stark forte ein. Dies bleibt dem individuellen Einzelfall vorbehalten!

Schmerzmittel:

Auch der vorübergehende Einsatz von Schmerzmitteln mit entzündungshemmender Wirkung soll hier erwähnt werden und kann dem Schmerz vielleicht erst einmal Abhilfe schaffen. Der dauernde Einsatz von Schmerzmitteln kann jedoch keine geeignete Maßnahme sein, um die Arthrose aufzuhalten und dem Pferd langfristig wieder Lebensqualität zu ermöglichen. Alles in Allem kann der Pferdebesitzer dem von Arthrose betroffenen Pferd eine hilfreiche Unterstützung im Wege der Fütterung und geeigneter Therapien bieten, um vorhandene Gelenkerkrankungen weniger schmerzhaft und nicht weiter voranschreiten zu lassen. Auch pflanzliche Schmerzmittel können helfen, es muss nicht immer die “Chemiekeule” sein, die oft gravierende negative Nebenwirkungen mit sich bringt!

Artikel von mir für verschiedene Fachzeitschriften

Arthrose, Hufrollenentzündung, Spat, I. Teil

Im ersten Teil dieses Artikels beschäftigen wir uns mit den Erkrankungen an sich und deren Symptome bzw. des Erkennens der oben genannten verschiedenen Arten der Arthrose. Die Arthrose ist der Oberbegriff; denn sowohl die Podotrochlose, wie auch der Spat, gehören zu den arthrotischen Erkrankungen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Arthrosen der verschiedenen Gliedmaßen. Die Therapie der unterschiedlichen Arthrosen ist jedoch nur leicht abweichend bei den einzelnen Arthroseformen; Unterschiede liegen beispielsweise in speziellen Hufbeschlägen, welche optimal auf die Erkrankung abgestellt werden. Im zweiten Teil des Artikels beschäftigen wir uns ausführlich mit der für an Arthrose erkrankte Pferde optimalen Fütterung und Haltung, Bewegungsmöglichkeiten, sowie mit homöopathischen und naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten.

Arthrose:

Kausale Ursachen: Eine Arthrose entsteht in der Regel aus einer nicht ausgeheilten Arthritis: Die Ursache der Arthritis ist eine akute Entzündung, welche aus äußeren, inneren, infektiösen oder stoffwechselbedingten Einflüssen (siehe auch Ursachen der Arthrose) entsteht. Die Arthritis muss frühmöglichst fachgerecht behandelt werden, um nicht in ein chronisches, schwer heilbares Stadium bzw. in die degenerative Form, also die Arthrose, überzugehen. Die Arthritis entwickelt sich stetig zur Arthrose, wenn diese nicht erfolgreich und schnellstmöglich therapiert wird. Es bilden sich unphysiologische Knochenzubildungen, wie zum Beispiel die arthrotische Hufgelenksschale. Der Prozess wird durch Überbelastung, aber auch durch Bewegungsmangel gefördert. Ursachen der Arthrose sind vermehrte Abnutzungen durch Fehlstellungen, Fehlbelastungen, Überbelastungen, falsche Hufbearbeitung/Hufbeschlag über längere Perioden, sowie Stoffwechselstörungen und das Missverhältnis zwischen Belastbarkeit und tatsächlicher Belastung des Pferdes. Auch eine zu gut gemeinte Fütterung, vor allem in der Zeit der Entwicklung des Skelettes, fördert spätere arthrotische Veränderungen, ebenso wie ein längerfristiges Ungleichgewicht des Calzium : Phosphor Verhältnisses und des übrigen Mineralstoffhaushaltes, wie auch Bewegungsmangel.

Symptomatik und klinisches Bild: Die Arthrose zeigt sich in Bewegungsstörungen mit stumpfem, unfreiem, gebundenem Gang und häufigem Wendeschmerz. Oftmals kommt es zu umfangreichem Abbau oder Zerstörung des Gelenkknorpels, im Röntgenbild zeigen sich Veränderungen in der Knochenstruktur mit Randwulstbildungen am Gelenkrand. Auslöser sind oft Fehlstellungen der Gliedmaßen mit bodenweiter, bodenenger, Y-beiniger, O-beiniger, struppierter, vorbiegiger, rückbiegiger, kuhhessiger, fassbeiniger, säbelbeiniger oder stuhlbeiniger Stellung. Dadurch kommt es auf hartem Boden, besonders beim Springen, immer wieder zu Mikrotraumen, zur Überbelastung und Überanstrengung bestimmter Gelenkbereiche und zu Knorpeldefekten. Es kann durch starken Knorpelverlust zur Gelenksversteifung kommen.

Diagnostik:

Je nach Lagerung der Arthrose röntgenologischer Befund, Beugeprobe, Lahmheitsuntersuchung/Gangverhalten, äußerlich sichtbare Knochenzubildungen; weitere siehe unten.

Therapiemöglichkeiten:

Die Therapie der Arthrose sollte zwingend ganzheitlich erfolgen: Fütterung, Haltung, Bewegung, medikamentöse Therapie und Hufbearbeitung sollten optimal auf das erkrankte Pferd abgestellt werden und sich gegenseitig in der Therapie ergänzen und positiv unterstützen. Nur durch die verschiedenen sich ergänzenden Therapiebausteine kann dem erkrankten Pferd langfristig geholfen werden. Die ausschließliche Gabe von Schmerzmitteln ist aus verschiedenen Gründen nicht empfehlenswert: Degenerative Veränderungen verlaufen durch die Schmerzübertünchung ungesehen weiter; die Wirkung von Schmerzmitteln lässt bei Daueranwendung meist nach; die Nebenwirkungen bei einer dauernden Anwendung können oft den positiven Nutzen nicht wettmachen (empfohlene Dauer der Schmerzmittelgabe liegt bei 10 Tagen!). Insgesamt ist die alleinige Schmerzbekämpfung keine Therapie, sondern allein die Bekämpfung eines Symptoms.

Spat:

Der Spat dient als Sammelbegriff aller schmerzhaften Prozesse im Bereich der straffen Tarsalgelenke. Die kausale Genese liegt in einer chronischen Traumatisierung der drei Gelenkreihen. Im engeren Sinne handelt es sich um die kleinen Tarsalknochen. Die Funktion derer besteht überwiegend in einer Stoßbrechung der auf sie einwirkenden Druck- und Schubkräfte. Weiterhin haben sie Rotationsbewegungen abzufangen. Sie sind stärksten Druckbelastungen entsprechend der ständigen Änderung in der Winkelung des Sprunggelenks ausgesetzt.

Symptomatik: Die durch Spat ausgelöste Lahmheit tritt nicht in gleichmäßiger Stärke auf, weil Art und Umfang der Bewegungsstörung an Schmerzperioden gebunden sind, die von der Intensität der Belastungen mitbestimmt werden. Symptome sind eine gemischte Lahmheit des Pferdes mit Schrittverkürzung durch mangelhafte Beugung des Sprunggelenks und Vermeiden einer maximalen Streckung, ein verspannter Rücken, Schwierigkeiten beim Tempowechsel, schwungloser Trab und ein vermehrtes Anspringen in den Galopp. Die Symptome sind unmittelbar nach Arbeitsbeginn auffälliger als nach längerer Bewegung. Eine Knochenaufreibung an der medialen Sprunggelenksfläche ist nur gelegentlich zu sehen. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung besteht meist keine Lahmheit mehr durch die dann eingetretene Verknöcherung. Spat ist als eine degenerative Erkrankung unheilbar.

Diagnostik: Zur Diagnose dient neben Röntgenaufnahmen die Beugeprobe sowie Beurteilung des Gangverhaltens bzw. der vorhandenen Lahmheit des Pferdes.

Kausale Ursachen: Die Entstehung der Krankheit wird durch eine unkorrekte Stellung der Hintergliedmaßen (kuhhessiger und bodenweiter Stand) gefördert, ebenso durch Fehler in der Hufbearbeitung und im Hufbeschlag. Auch eine zu energiereiche und proteinreiche Fütterung, wie auch Ungleichgewichte im Mineralstoffhaushalt, fördern den Spat schon in jugendlichem Alter. Spat kann demnach schon sehr früh entstehen, sofern die Fütterung der Absetzer zu “mastig” gestaltet wird, was einerseits die Energie, andererseits auch ganz besonders den Proteinanteil der Fütterung betrifft. Durch ein Zuviel an Futter können die kleinen Tarsalknochen in ihrer Gestaltung (Form und Größe) sowie in ihrer inneren Statik im Zuge der Skelettreifung ungünstig beeinträchtigt werden. Stellt sich der Spat erst in späteren Jahren ein, so kann er auch auf einem Verschleiß der Gelenkknorpelflächen beruhen.

Therapiemöglichkeiten: Die Therapie sollte mit einer korrekten Hufbearbeitung als Grundvoraussetzung begründet werden. Eine weitere Grundvoraussetzung in der Therapie des an Spat erkrankten Pferdes ist eine optimale Fütterung; welche nicht zu gut gemeint werden sollte; das heißt, es sollten keine Überversorgungen mit Protein und Energie stattfinden, das Calzium zu Phosphor Verhältnis und der Gesamtmineralstoffhaushalt sollte möglichst optimal sein. Das an Spat erkrankte Pferd benötigt eine dauernde freie Bewegungsmöglichkeit; fehl am Platze wäre hier eine Boxenhaltung über viele Stunden. Es bietet sich eine Offenstallhaltung mit Auslauf bzw. eine weiträumige Box mit angeschlossenem (nicht zu kleinem) Paddock als optimale Haltungsform an. Lokale Maßnahmen wie scharfe durchblutungsfördernde Einreibungen werden empfohlen.

Podotrochlose (= Hufrollenentzündung):

Die Hufrollenerkrankung lässt sich dem Arthrosenkomplex zuordnen und stellt eine häufige Lahmheitsursache der Vorderextremitäten dar, sie ist in der Reitpferdehaltung einer der größten Sorgen. Die Hufrolle wird aus dem Strahlbein mit seinen Aufhängebändern, dem über den Knochen hinweg ziehenden Anteil der tiefen Beugesehne und der zwischen beiden Gewebsstrukturen liegenden Bursa podotrochlearis gebildet. Bei der Podotrochlose finden wir bindegewebige Verstärkungen des Hufbein-Strahlbeinbandes, die Hufgelenksfacette reagiert mit Formveränderungen, die Ansatzflächen der tiefen Beugesehne und der Bänder mit Knochenzubildungen (Exostosen). Am Hufbein können sich Randwulsterscheinungen bilden und am Strahlbein Absprengungen der Facies flexoria. Die pathologischen Veränderungen treten am Bandapparat des Strahlbeins, an der tiefen Beugesehne und an der Struktur und Kontur des Strahlbeins auf. Klinische Veränderungen werden oft erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Die Lahmheit kann von sehr wechselnder Intensität sein und betrifft die Vordergliedmaßen.

Kausale Ursachen: Ursachen der Hufrollenentzündung liegen in Stellungsfehlern, Fehlstellungen, falscher Hufkorrektur und Beschlages, Fehlernährung, Aufzuchts- und Beschlagsschäden, Überbeanspruchung des Pferdes. Eine genetische Veranlagung gilt als sicher. Der ständige Wechsel der auf das Strahlbein einwirkenden Zug- und Druckkräfte macht es bei nutzungsbedingter Überbeanspruchung des Pferdes, durch fehlerhaften Hufbeschlag, unregelmäßige Huf- oder Gliedmaßenstellung anfällig für degenerative Umbauvorgänge, die sich in schmerzhaften Reaktionen an den sensibel versorgten Anteilen, insbesondere an dem Hufbein-Strahlbeinband, auswirken.

Symptomatik: Klinische Erscheinungen zeigen sich sehr unterschiedlich und wechselhaft. Die Erkennung einer deutlichen Lahmheit wird dadurch erschwert, dass unter den betroffenen Pferden mehr als 50 % beiderseits erkranken. Es besteht makroskopisch daher oft eher eine Bewegungsstörung, keine Lahmheit. Die Aktion der Vorderbeine wird eigenartig klamm, flacher und kürzer. Die Gangveränderung ist wenig ausgeprägt. Manchmal besteht deutlicher Wendeschmerz. Beim noch nicht warmgerittenem Pferd ist die Symptomatik deutlicher; während der Bewegung nehmen die Symptome ab. Der Gang bleibt aber wenig raumgreifend und das Pferd zeigt sich zögerlich; insbesondere beim Sprung. Die Krankheit nimmt zwar einen eher schleichenden Verlauf, jedoch kann sich die Lahmheit auch ganz plötzlich zeigen. Ein in der Regel ausnahmslos auftretendes Symptom ist vermehrtes Stolpern. Die Lahmheit tritt in einem geringen bis mittleren Ausmaß auf. In der Ruhe setzt das betroffene Pferd die Vorderhufe abwechselnd weit nach vorn, um das Hufgelenk zu entlasten (bei der Hufrehe werden in der Regel beide Vorderhufe gleichzeitig weit nach vorne gestreckt). Die Fußungslast wird auf den Zehenrand des Hufes verlagert, so dass ein vermehrter Abrieb an der Zehe erfolgt. Beim beschlagenen Huf unterliegen die Schenkelenden des Hufeisens nur einem geringen Abrieb; beim unbeschlagenen Pferd wird die Trachtenwand im Verhältnis zur Zehenwand länger. Die Entlastung des hinteren Hufabschnitts schränkt den Hufmechanismus ein, weshalb der Hornstrahl allmählich verkümmert und ein Trachtenzwanghuf entsteht. Bei überwiegend einseitiger Hufrollenentzündung kann es aufgrund dieser Schonstellung zu Muskelatrophien bzw. zur Hufatrophie kommen. Eine verstärkte Pulsation der Mittelfußarterie ist nur bei einem akuten Schmerzschub (wie auch bei der Hufrehe) zu erfühlen.

Diagnostik: Klinische Untersuchungen zur Diagnostik sind die Zehengelenksbeugeprobe und die Keilprobe, die Perkussion der Sohle im Bereich der Strahlspitze löst eine Abwehrreaktion aus. Eindeutig ist jedoch erst eine Diagnose aufgrund der Leitungsanästhesie. Das sogenannte Umspringen der Lahmheit nach einer Anästhesie ist als eindeutige Diagnose der Podotrochlose zu werten. Röntgenologisch greifbar sind die Veränderungen des Strahlbeins. Die Podotrochlose gehört zu den deformierenden Osteoarthopathien, ist demnach nicht heilbar; im günstigsten Falle werden die Schmerzen beseitigt und der Prozess zum Stillstand gebracht.

Therapiemöglichkeiten: Die Therapie setzt bei einer auf die Erkrankung abgestellten Hufkorrektur an; weitere Grundvoraussetzungen sind eine stetige freie Bewegung (wer rastet, der rostet) des Pferdes sowie eine optimale Fütterung im richtigen Verhältnis. Diskutiert wird auch immer wieder der sogenannte “Nervenschnitt”. Hier kommt einmal die Neurektomie sowie die Desmotomie in Betracht. Diese beseitigen nicht die Podotrochlose, sondern schalten nur den Schmerz aus. Aber auch hier ist die Dauer der weiteren Reitbarkeit des operierten Pferdes von der Intensität des zukünftigen Beritts abhängig. Pferde sind Lauftiere und gerade arthrotische Pferde brauchen entsprechende dauernde freie Bewegung, sonst versteifen die Gelenke sehr schnell. Die Heilungschance bei Arthrosen ist ungünstig. Es ist meist ein fortschreitender Prozess, und es gilt, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, im günstigsten Falle zum Stoppen zu bringen. Eine Behandlung, die zur Heilung führt, gibt es nicht. Je schneller und effektiver eine Therapie jedoch umgesetzt wird, desto besser sind die Chancen für das betroffene Pferd, wieder Lebensqualität zu erlangen und diese noch lange Zeit zu erhalten.

Artikel von mir für den Pferdeanzeiger

Arthrose, Hufrollenentzündung,