Eines Abends erhielt ich einen Anruf einer verzweifelten Pferdehalterin, das war im Jahr 2000, welche mir die Geschichte ihrer damals 6-jährigen Paint Stute Honey schilderte. Honey kam als Absetzer zu ihr und wuchs die ersten Jahre beschwerdefrei auf. Mit 3 ½ Jahren erkrankte Honey an einer chronisch obstruktiven allergischen Bronchitis, welche sich aus einer akuten Atemwegserkrankung entwickelte. Am 03.02.2000 wurde durch Elisa Test (wissenschaftlich anerkanntes Labor Vetigen in Paris speziell für Allergien) eine hochgradige allergische Reaktion auf folgende Allergene diagnostiziert:

Pollen:

Lolch, Schwingeln, Quecke, Kornmischung, Honiggras, Ruchgras, Straussgras, Rispengras, Wilder Ampfer, Spitzwegerich, Luzerne, Eschen, Erlen, Weiden, Eichen, Birken, Haselnussbäume, Eschen-Ahorn, Pappeln, Platanen, Walnussbaum, Linden, Ulmen, Olivenbaum, Stemphylium, D. Farinea/D. Ptero./Hausstaub

Insekten:

Schwarze Fliege, Caddis Fliege, Haus Fliege, Schwarze Ameise, Moskito

Nahrung:

Mais, Hafer, Gerste, Luzerne, Melasse

Dieses Testergebnis war geradezu verheerend, da es unmöglich war, Honey von all diesen Allergenen fernzuhalten und die Fütterung eines Pferdes mit diesem Testergebnis praktisch nicht mehr möglich ist! Aus diesem Grunde war das Ziel dieser Therapie, einerseits die überschießende Reaktion des Immunsystems = Allergie zu regulieren, um ein normales Pferdeleben sicher stellen zu können, andererseits – soweit möglich – den Kontakt mit Allergenen zu vermeiden. Ein Pferd benötigt ausgiebigen Weidegang ebenso wie eine ausgewogene Fütterung und diese zwingend für Pferde lebensnotwendigen Faktoren lassen sich mit einer hoch allergischen Reaktion auf in der Pferdeumwelt vorkommenden Allergenen nur umsetzen, wenn eine Regulation – soweit möglich – erfolgt. Ein weiterer Faktor ist die Vermeidung des Kontaktes mit Allergenen, soweit umsetzbar. Letztlich gab es bei Honey jedoch das Problem, dass nicht alle allergisierenden Stoffe vermeidbar sind, sondern nur ein Teil dieser Allergene. So ist eine Fütterung ohne die als Allergene diagnostizierten Nahrungsmittel oder die völlige Meidung von Pollen nicht umsetzbar, sofern der Stute noch Lebensqualität geboten werden und sie lebensfähig bleiben soll.

Die Therapie gestaltete sich daher überaus schwierig:

Symptomatisch stellte sich bei Honey eine massive chronische obstruktive allergische Bronchitis, starke Erhöhung der Leberwerte, in Folge Hepatitis, schwere Störungen des Bewegungsapparates mit Lahmheiten verschiedener Genese, sehr schlechte Hufhornqualität und ein immens gestörtes Allgemeinbefinden sowie Abwehrmangel und ein stark geschädigtes, zuletzt völlig entgleistes Immunsystem ein. Aufgrund des Herdgeschehens und der damit einhergehenden völligen Entgleisung des Gesamtorganismus war die Aussicht einer erfolgreichen Therapie zu dieser Zeit negativ. Honey war nicht belastbar und trotz der der chronischen Bronchitis angepassten Haltung und Fütterung war die Symptomatik massiv.

Honey bekam kaum Luft und es war eine doppelschlägige sogenannte Bauchatmung sichtbar, welche die Symptomatik der Dämpfigkeit bzw. des Lungenemphysems kennzeichnet.

Beim Lungenemphysem entsteht später die sogenannte “Dampfrinne”, welche Honey glücklicherweise nicht aufwies. Atemwege und Lungen waren stark verschleimt, makroskopisch auf den ersten Blick sichtbar die Atemnot im Ruhen sowie in der Bewegung. Honey bekam immer wieder hohes Fieber (einmal bis 41.7 Grad, mehrmals um die 40,0 Grad), da Folgeinfektionen häufig stattfanden.

Bei einer allergisch bedingten Reizung der Atmungsorgane entstehen Folgeinfektionen durch eingedrungene Bakterien, Viren oder Pilze und führen zu einem Krankheitsbild, welches von der alleinig infektiös ausgelösten Erkrankung nicht mehr unterscheidbar ist. Die Aufnahmeuntersuchung im Tierheilkundezentrum bestätigte die durch Frau Bialluch geschilderte Symptomatik.

Ich diagnostizierte eine chronisch allergische obstruktive Bronchitis massiven Grades sowie die weiteren oben genannten und durch die Pferdehalterin geschilderten Erkrankungen. Ich klärte Frau Bialluch darüber auf, dass die Chancen zur Heilung bzw. Verbesserung des Erkrankungsbildes eher negativ zu beurteilen seien, da die Erkrankung weit fortgeschritten und zudem schwer therapierbar sei. Da ich jedoch schon mehrmals “kleine Wunder” der naturheilkundlichen Therapie erlebt hatte erklärte ich, dass die Therapie trotz aller negativer Faktoren einen Versuch wert sei.

Frau Bialluch erklärte mir realistisch, dass ihre Stute seit 2 ½ Jahren in dauernder veterinärmedizinischer Behandlung sei und sich keinerlei Erfolg eingestellt hätte, sie diesen Weg nicht weiter verfolgen wolle und unser Tierheilkundezentrum die letzte Chance für Honey und sie sein werde. Sie hatte sich bereits im Vorfeld ausgiebig mit dem Gedanken auseinandergesetzt, Honey von ihren Qualen erlösen zu lassen und ließ auch keinen Zweifel daran, dies in die Tat umzusetzen, wenn meine Therapie nicht greift.

Obwohl mir Angst und Bange wurde, welche Verantwortung ich hier mal wieder übernehmen musste, verstand ich Frau Bialluch gut und mir war klar, dass ich es hier mit einer Pferdehalterin zu tun hatte, welche die gesundheitliche Situation ihres Pferdes sowie die Therapieaussichten realistisch und für mich nachvollziehbar einschätzte. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass Frau Bialluch mir vom ersten Gespräch an hundertprozentig vertraute, was bei der Therapie ihrer Stute Honey zwingend vonnöten war. Oftmals leistete ich Überzeugungsarbeit und wir diskutierten lange, ob wir das Risiko eingehen sollten, beispielsweise was die Fütterung betraf, in der wir langfristig auch die diagnostizierten Allergene einsetzen mussten, um das Allgemeinbefinden zu verbessern und die Symptomatiken zu regulieren, welche zum Teil daraus resultierten, dass Honey nach der durchgeführten Allergentestung kaum noch fressen durfte, was ein Pferd benötigt.

Der Erfahrung nach ist es auch in der Homöopathie so, dass in einem derart gelagerten Fall nicht ein oder zwei Mittel ausreichen, sondern, dass ganzheitlich, tiefgreifend und im Grunde weitreichend therapiert werden muss.

Eine Konstitutionsbehandlung (dies ist eine homöopathische Therapie, welche Erkrankung/Eigenarten/Charakter und sämtliche Faktoren, Symptome usw., also “das Ganze” einbezieht und daraufhin das individuelle – von ca. 5000 – Mitteln zur ganzheitlichen Therapie nutzt) war in diesem Fall nicht möglich, da schnell gehandelt werden musste und mir diese Stute zum damaligen Zeitpunkt völlig unbekannt war. Es musste schnell, verantwortungsbewusst und effektiv therapiert werden, da die Grenze zur völligen “Unbrauchbarkeit” im Grunde längst überschritten war. In einem derart gelagerten Fall bleibt dem Tierheilpraktiker nichts anderes übrig, als möglichst viele Mittel, welche der Erfahrung nach eine positive Wirkung bei eben diesem Erkrankungsbild erzielen können, einzusetzen. Priorität hatte bei Honey die Regulation der überschießenden Reaktion des Immunsystems:

Die Therapie baute sich auf verschiedene Elemente auf:

Die I. Grundvoraussetzung für den Erfolg der Therapie der chronischen Bronchitis war eine optimale Haltung:

Luft, Licht und Bewegung

Während des Winters kam Honey morgens früh auf die Koppel und kurz vor dem Dunkelwerden in den Stall. Die Nacht verbrachte die Stute in einer geräumigen Außenbox. Das Klima im Stall mildert lediglich die Außentemperatur ab und bietet Schutz vor Nässe und Wind, zudem war der Stall staubfrei und hygienisch einwandfrei (nach dem Misten wurde ein biologisches Stalldesinfektionsmittel verwandt und die Pferde kamen weder mit Staub- noch mit Schimmelpilzsporen in Berührung: kein Putzen vor der Box, kein Fegen, wenn Pferde in der Box sind, kein Kontakt mit Schimmelpilzsporen, Staub usw.). Während des Sommers genoss die Stute 24 Stunden Weidegang auf ungedüngten extensiv bewirtschafteten großflächigen Weideflächen mit üppigem Baumbestand, darunter auch Walnussbäume (!).

Die II. Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Therapie:

Eine absolut staub- und schimmelpilzfreie Fütterung

Wichtigste Grundvoraussetzung einer erfolgreichen und effektiven Therapie ist absolut staub- und schimmelpilzfreies Raufutter.

Sofern die Möglichkeit besteht, ist es auch sinnvoll, Pferde auf Stallmatten einzustellen und die Einstreu komplett abzusetzen. Dies ist jedoch ausschließlich in Offenstallhaltung bzw. Box mit Paddock praktizierbar, da die Stallmatten ansonsten schnell zur “Sauerei” werden, wenn ständig Pippi und Pferdäppel drauf landen.

Meiner Erfahrung nach ist es jedoch in allen Fällen ausreichend, auf wirklich gute Qualität bei Heu und Stroh zu achten.

Über diese zwei Grundvoraussetzungen hinaus sollte zwingend auch bei der weiteren Fütterung auf die Freiheit von Staub, Milben, Schimmelpilzen usw. geachtet werden. Es gibt eine Reihe von Futtermitteln, die sich auch für Allergiker bestens eignen. Die Fütterung muss jedoch individuell zusammengestellt werden, da nicht jedes Futtermittel für das entsprechende Pferd/Pony geeignet ist. Hier spielen Faktoren wie weitere Erkrankungen, Alter, Gewicht, Haltung und individuelle Dispositionen, wie beispielsweise leicht- oder schwerfuttrig wichtige Rollen.

Die Fütterung muss also speziell auf dieses betroffene Pferd abgestellt werden, da bei allgemeiner Empfehlung andere Erkrankungen aus dieser Fütterung resultieren könnten (naturgemäß sollte diese jedoch grundsätzlich sein). Honey wurde nach einigen Wochen der Therapie mit Heucobs, Luzerne, Hafer und als natürliche Mineralienversorgung Kräutern gefüttert.

Die medikamentöse naturheilkundliche Therapie

An Medikamenten verwandte ich Nosoden, homöopathische Einzel- sowie auch Komplexmittel. Die Mittel wurden im Wechsel, zum Teil auch gemeinsam anfangs 6 x täglich, nach 3 Wochen 3 x täglich verabreicht.

Zusätzlich wurden weitere verschiedene Mittel in der Fütterung eingesetzt und für Honey zusammengestellt.

Ich gebe hier absichtlich keine konkreten Empfehlungen, da die Therapie immer – ohne Ausnahme – individuell erfolgen muss. Da die zukünftige Haltung entscheidend ist, um einen langfristigen Erfolg zu sichern, wies ich eindringlich daraufhin, dass Honey auch nach dem Aufenthalt bei uns zukünftig zwingend mit Licht, Luft und ganztägiger Bewegung gehalten werden müsse. Wird eine optimale Haltung und Fütterung und die Gabe meist weiterer Mittel nach einer wie im vorliegenden Fall erfolgreichen Therapie sichergestellt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass das betroffene Pferd dauerhaft symptomfrei bleibt. Die Therapie von Honey gestaltete sich in der Tat sehr schwierig und es folgten in dem ¾ Jahr der Therapie im Tierheilkundezentrum zwei Rückfälle, einer recht schwerwiegend. Honey war jedoch nach der Therapiezeit von ¾ Jahr symptomfrei und ist es bis heute – 4 Jahre später – geblieben. Frau Bialluch und ich sind uns einig, dass der Aufwand sich gelohnt hat und Honey heute wohl ohne naturheilkundliche Therapie nicht mehr leben würde. Mittlerweile wohnt Honey seit 3 Jahren nicht mehr bei uns. Frau Bialluch achtet jedoch nach wie vor auf eine optimale Haltung und Fütterung und spricht alle Entscheidungen rund um Honey im Vorfeld mit mir ab. Honey ist heute ein lebenslustiges Pferd, dank ihrer stabilen Konstitution ist es Frau Bialluch möglich, regelmäßige Lehrgänge bei Bent Branderup zu besuchen und Honey regelmäßig zu trainieren. Ich glaube, ich kann sagen, wir sind beide sehr stolz gemeinsam ein Pferdeleben dauerhaft wieder lebenswert geschaffen zu haben!

Kommentar der Pferdehalterin Dörthe Bialluch, inzwischen mit einer noch immer gesunden Honey im Jahre 2008 nach Portugal ausgewandert, Tel.: 0177/8401152:

Aufgrund massivster Allergie und daraus resultierender schwerer Folgeschäden hatte ich mich nach 2 ½ jähriger erfolgloser intensiver veterinärmedizinischer Therapie dazu durchgerungen, meine Honey töten zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich Frau Nehls kennen. Sie bat mich, Honey in ihre Obhut zu geben. Nach gründlicher Überlegung und vielen intensiven Gesprächen tat ich es. Sie arbeitete einen speziellen Futterplan aus, Honey erhielt gut dosierte homöopathische Medikamente und Zusätze. Mein Pferd bekam eine speziell für sie ausgebaute Box und freien Zugang zu ungedüngten Wiesen auf dem Reha-Hof der Frau Nehls. Innerhalb von einem ¾ Jahr war Honey wieder so, wie ich sie kannte: ein munteres, lebenslustiges Pferd, zwar mit einer starken Allergie, dank Frau Nehls und ihrem ausgeglichenen Futterplan, ihrem Fachwissen und verantwortungsvollen Einsatz mit Medikamenten, ihrer Umsicht und ihrem Gespür für den richtigen Moment Medikamente abzusetzen und mit anderen zu beginnen, absolut symptomfrei. Sie hat schöne, feste Hufe und benötigt auch keine Eisen bei regelmäßigem Beritt. Honey lebt heute normal mit anderen Pferden zusammen und kaum jemand – außer meinen früheren Stallkameradinnen, die alles miterlebt haben- glaubt mir, wie krank mein Pferd war. Honey ist heute 11 Jahre alt und noch immer symptomfrei.

Honeys Leben und vor allem ihre Lebensqualität verdanke ich Frau Nehls!

Leider habe ich in der Zeit, in der ich Frau Nehls kenne, auch Menschen kennen gelernt, die die Einsatzfreude von Frau Nehls missbrauchen, so dass ich die Befürchtung habe, dass die offene Hilfsbereitschaft, die mir entgegengebracht wurde, zukünftig vielleicht bedürftigen Tieren nur eingeschränkt durch die schlechte Erfahrung mit ihren Menschen entgegengebracht werden könnte, da selbst eine Frau Nehls irgendwann resignieren wird aufgrund der Tatsache, dass manche Menschen in keiner Weise ihren Einsatz zu schätzen wissen und statt Dank Misstrauen säen und kleinliche Konflikte so viel Raum einnehmen, dass das Wohl des Tieres in den Hintergrund tritt. Das stimmt mich persönlich sehr traurig!

Artikel für den Pferdeanzeiger 2005

Update 2016:

Inzwischen wohnen die Beiden in Portugal, Honey ist immer noch gesund und hat keinerlei Probleme.

Gesunde Fohlenaufzucht

Die Anlagen für die Gesundheit des Fohlens, seine Vollkommenheit als lebenstüchtiges und lebendiges Geschöpf werden bestimmt durch Auswahl der Zucht. In den Genen der Eltern liegt die Quintessenz aus Millionen von Jahren Selektion auf diese Lebenstüchtigkeit. Unsere Verantwortung dem neuen Leben gegenüber beginnt bereits bei der wohl zu überlegenden Frage, welche Elterntiere wir für die Zucht auswählen. Zwingende Kriterien, um einem Fohlen das Leben zu schenken, an dem wir unser Leben lang Freude haben, sind gleichermaßen physische wie auch psychische Faktoren. Die Elterntiere und ihre Vorfahren sollten optimalerweise eine einwandfreie physische und psychische Gesundheit mitbringen,  um dem Neugeborenen beste Voraussetzungen mit auf den Weg geben zu können. So sollte grundsätzlich mit Elterntieren nicht gezüchtet werden, wenn diese oder ihre Vorfahren erblich bedingte oder auch nur in Verdacht stehende zu vererbende Erkrankungen aufweisen.

Haben wir diese erste Hürde einer verantwortungsbewussten Zuchtauswahl genommen, steht der Geburt eines lebenstüchtigen und gesunden Fohlens bei pferdegerechter Haltung und Fütterung der Mutterstute nichts mehr im Wege. Die beste Prophylaxe späterer Erkrankungen unseres Reitpferdes ist nunmehr eine optimale Haltung und Fütterung unseres Fohlens sowie Beachtung der sozialen Bedürfnisse, ein liebevoller, pferdegerechter Umgang sowie eine Erziehung, die dem jeweiligen Alter des Fohlens angemessen ist. In einer optimalen Haltung unterscheidet sich unser Fohlen in keiner Weise von erwachsenen Pferden, die Bedürfnisse sind die gleichen. Ein Fohlen benötigt wie Pferde aller Altersstufen – bis zum Senior – Licht, Luft und Bewegung. So kann eine fohlengerechte Haltung ausschließlich in Offenstallhaltung mit weitläufigen Weideflächen ganzjährig und 24-stündig praktiziert werden. Kompromisse kann es hier nicht geben! Die Weideflächen sollten extensiv bewirtschaftet werden, was eine künstliche Düngung (Stickstoff u. a.) ausschließt. Durch naturbelassene Weideflächen und eine Düngung mit kompostiertem Mist erreichen wir kargere Weidebedingungen, die der Steppenvergangenheit unserer Pferde entsprechen sowie geringere Protein- und Energiewerte des Grases, welche sich positiv auf die Pferdegesundheit auswirken. Durch die ständige, langsame und freie Bewegung bei der Futteraufnahme laufen die Stoffwechselvorgänge in den Wachstumsfugen der Fohlen optimal ab. Gewichtszunahme und Skelettwachstum der Fohlen stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, Herz, Lunge und Kreislaufsystem werden sich optimal entwickeln, eine gute Durchblutung sorgt für eine gesunde Entwicklung. Wechselnde Temperatur und Wetterbedingungen härten unser Fohlen ab, stärken die Abwehr und das Immunsystem und lassen unser Fohlen kerngesund aufwachsen. Zur extensiven Weidebewirtschaftung gehört neben dem Verzicht auf chemische Dünge- und Unkrautbekämpfungsmittel, den Pestiziden, eine großzügige Bemessung der Weideflächen. Der Bedarf an Weide für ein Fohlen sollte mindestens bei 0,5 Hektar liegen, wenn möglich mehr. Es versteht sich von selbst, dass Weideflächen – erst recht für unbedarfte und unerfahrene Pferdekinder – pferdesicher eingezäunt werden. Zur Auswahl stehen hier Holz, Kunststoff oder Elektrozaun bzw. eine Kombination der verschiedenen Materialien. Können wir unserem Fohlen diese Bedingungen zur gesunden Aufzucht nicht ermöglichen, so sollten wir entweder auf das Pferdekind verzichten oder im Vorfeld eine geeignete Aufzuchtstelle suchen und finden!

Ein Problem der heutigen Pferdehaltung stellt meines Erachtens dar, dass uns Pferdehaltern ständig suggeriert wird, ein Fohlen hätte während des Wachstums einen enorm hohen Bedarf an Protein und Mineralstoffen/Spurenelementen. Um diesen Bedarf zu decken, sei es erforderlich, spezielle Futtermittel für Fohlen, wie beispielsweise Fohlenstarter sowie synthetische Mineralstoffergänzungsfuttermittel zu füttern. Meiner Erfahrung nach sind genau diese Empfehlungen die Ursache bzw. Mitursache späterer Erkrankungen unseres ausgewachsenen Pferdes:

Natürlich hat ein Pferdekind im Wachstum höhere Ansprüche an die Futtermittelwahl, wie beispielsweise ein Pony im besten Alter. Jedoch wird selbst dieser höhere Bedarf durch eine verantwortungsvolle und – somit – naturbelassene Fütterung optimal gedeckt, und zwar in der Weise, dass keine Überschüsse an im Übermaß zugeführten Nährstoffen entstehen, welche dann durch den Abbau in den Entgiftungsorganen Leber und Nieren diese stark belasten bzw. überlasten und  schwere Schäden anrichten können. Eine ganzjährige Weidehaltung unseres heranwachsenden Fohlens, die Fütterung rein natürlicher Futtermittel für einen ausgewogenen Mineralstoff- und Spurenelementhaushalt sowie zur Deckung von Vitaminen, eine Raufutterfütterung ad libidum, die Fütterung von Saftfutter sowie während des Winters die wohl dosierte – nicht übermäßige – Fütterung von Walzhafer, einer naturbelassenen Getreidemischung oder eines natürlichen Müslis sind die richtige Ernährung für unser Fohlen. In Verbindung mit Heucobs und/oder eingeweichten Melasseschnitzeln stellen wir eine ausgewogene und optimal zu verstoffwechselnde Ernährung unseres Pferdekindes bis zum Erwachsenwerden sicher. Zwingend zu beachten auch bei Fohlen sind die Verhältnisse Calcium : Phosphor (ca. 2 : 1) sowie Energie : Protein (ca. 1 : 5). Werden hier annähernd die optimalen oben genannten Verhältnisse beachtet, so treten denkbar weniger schädliche Wirkungen auf, als beispielsweise bei einem Proteinüberangebot und ungünstigem Energie zu Protein Verhältnis. Leider meinen wir heute ständig, den Pferden allgemein, und erst recht unserem heranwachsenden Pferd zu wenig Nährstoffe bereitzustellen. Hieraus ergibt sich die Problematik, dass viel zu viele Nährstoffe zugeführt werden und statt den gefürchteten Mangelerkrankungen Erkrankungen aus Überschüssen die Regel sind. So öffnen wir durch eine zu hohe Proteinzufuhr unseres Fohlens späteren Erkrankungen, wie dem Sommerekzem und Störungen der Funktionalität des Bewegungsapparates Tür und Tor. Auch Fehlstellungen werden begünstigt durch ein Zuviel an Nährstoffen, heute seltener durch ein Zuwenig dieser.

Ein weiterer wesentlicher Faktor zur Gesunderhaltung unseres Pferdekindes sind regelmäßige Entwurmungen. Unser Fohlen muss aufgrund des noch nicht voll entwickelten Immunsystems und dem damit einhergehenden stärkeren Wurmbefall sehr viel öfter entwurmt werden wie das erwachsende Pferd. Der Wirkstoff Ivermectin hat sich bei Pferden als gut verträglich und wirksam erwiesen. Zur Gesundheitsvorsorge gehört weiterhin eine fachgerechte Hufpflege und Hufkorrektur: Fehlstellungen beim heranwachsenden Pferd lassen sich oft noch korrigieren, beim ausgewachsenen Pferd geht dies nicht mehr! Last but not least: Sozialkontakte im Optimalfall mit mehreren Fohlen sowie erwachsenen Pferden sollten selbstverständlich sein, ebenso wie eine pferdegerechte und altersentsprechende Erziehung und einem liebevollen Umgang. Ein Fohlen benötigt sehr viel Geduld und Zuwendung, um all dies zu lernen, was ein erwachsenes Pferd bereits beherrscht. Ungeduld und Härte gehören deshalb ebenso wenig zur Fohlenerziehung, wie Inkonsequenz und Unbeherrschtheit! Unser Fohlen muss erst Vertrauen zu seinem Menschen wie überhaupt zu Menschen aufbauen, was vom Menschen Einfühlungsvermögen und Verständnis voraussetzt, statt barscher Worte und Perfektionismus.

Schließlich kommen unsere Kinder auch nicht als Erwachsene zur Welt, oder?

Von mir für den Pferdeanzeiger im Mai 2004

Gnadenbrotpferde

Mit zunehmendem Alter nehmen auch die Bedürfnisse an den Alltag unserer Ponys und Pferde zu. Alte Pferde haben andere Ansprüche an die Fütterung und Haltung als ihre Artgenossen “im besten Alter”.

Probleme bereitet vor allem eine Verlangsamung aller Stoffwechselprozesse, welche sich in jeder Zelle nachweisen lässt und den Organismus in seiner Gesamtheit betrifft. Die altersbedingt zunehmende Einschränkung der Zellaktivität äußert sich u. a. darin, dass Futter weniger gut aufgeschlossen, genutzt und verdaut werden kann. Die Anfälligkeit für Erkrankungen nimmt einerseits zu, andererseits benötigt das alternde Pferd eine längere Regenerationsphase. Der Senior benötigt mehr Nährstoffe, als zu besten Zeiten. Darüber hinaus muss das Futter so beschaffen sein, dass es gut aufgeschlossen und verwertet werden kann. Auch die Haltung muss den Änderungen der Lebensvorgänge angepasst werden. So kann es unverantwortlich sein, alte Pferde in der Herde im Offenstall zu halten, da diese oft das schwächste Mitglied der Herde sind in allen Konsequenzen, was bedeutet, dass sie vom Futter weggetrieben werden und stark abmagern. Andererseits ist ständige langsame Bewegung gerade im Alter wichtig, was wiederum eine Boxenhaltung ausschließt. Das Sprichwort “wer rastet, der rostet” gewinnt bei Pferden große Bedeutung. Bei Senioren bestehen in der Regel mehrere Erkrankungen gleichzeitig. So bestehen Störungen des Bewegungsapparates durch nachlassende Funktionalität, die Beweglichkeit der Gelenke nimmt ab, die Zellaktivität ist eingeschränkt und der Stoffwechsel funktioniert nicht mehr reibungslos. Pferde, welche schon früher an Atemwegserkrankungen litten, kämpfen im Alter verstärkt mit diesen. Der Organismus erholt sich langsamer von bestehenden Erkrankungen, die Zellregeneration lässt nach. Die Bedürfnisse nehmen insgesamt zu, was für den betreuenden Menschen mithin ein größeres Maß an Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen fordert. Neben einem höheren Zeitaufwand entstehen auch zwangsläufig höhere Kosten durch die im Laufe des Pferdelebens entstandenen Problematiken, den höheren Anspruch an die Ernährung sowie den gesteigerten Grundumsatz.

Ein ganzheitliches Vorgehen – nicht Symptome bekämpfen – unter Einbeziehung des gesamten Pferdealltags ist wichtig!

Priorität bei alten und/oder unreitbaren Pferden hat grundsätzlich eine dem jeweiligen Individium angepasste Haltung und Fütterung. Theoretisch kein Problem, leider sieht die Praxis anders aus: Jedem Pferd/Pony mit gesundheitlichen Problemen müssen Haltungsbedingungen geschaffen werden, die ein pferdegerechtes Leben ermöglichen, den besonderen Bedingungen an Fütterung und Haltung muss Rechnung getragen werden. So benötigen alte und kranke Pferde Ruhe, Erholung und eine Herde, die ihnen freie Entfaltungsmöglichkeiten der Persönlichkeit bietet: Dies ist eine langjährig bestehende Herde (= Familie), negativ zu beurteilen ist eine hohe Fluktuation, wie sie an der Tagesordnung bei Reitbetrieben ist. Positiv zu beurteilen ist eine scharfe Beobachtungsgabe, welche Schwachstellen, wie z. B. eine völlige Unterwürfigkeit des geschwächten Pferdes, welche sich in Angst, Panik und Problemen in der Futter- sowie Wasseraufnahme zeigt, unmittelbar aufdeckt und ausgerichtet auf die tatsächlichen Verhältnisse in der Lage ist, diese zu unterbinden. Alte oder erkrankungsbedingt gehandikapte Pferde und Ponys benötigen in erster Linie ein kompetentes Stallmanagement, welches Sorge für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit des geschwächten Individuums trägt, Haltungsbedingungen immer den tatsächlichen Gegebenheiten anpasst und so ein pferdegerechtes Leben sicherstellt.

Es müssen Bedingungen geschafft werden, in denen jedes einzelne Pferd sich rundum wohl fühlt, Futter- und Wasseraufnahme dürfen nicht durch Angst gegenüber anderen Pferden erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden. Ausschlaggebend zum pferdegerechten Leben sind einerseits die tatsächlichen Verhältnisse des Einstellbetriebes, was die Weideflächen, Stallgebäude, Herdenzusammensetzung, Fluktuation etc. betrifft, andererseits auch die Kompetenz, Zeit, der Pferdeverstand, die Liebe zum Pferd, das Einfühlungsvermögen sowie Management und Organisation des Stallbetreibers. Gerade bei alten und erkrankten Pferden sollte Qualität, nicht Quantität der Maßstab sein! Ganz klar muss hier gesagt werden: Alte und erkrankte, unreitbare Pferde können nicht “billig” abgeschoben werden. Zeitaufwand, Pflege, Versorgung, besondere Ansprüche an die Fütterung und Haltung, Kontrollen und medizinische Versorgung fordern hier ihr Attribut. Der Irrglaube, ein Pferd, welches nicht mehr reitbar ist, billig einzustellen, muss relativiert werden durch Anerkennung der Tatsachen. Ein normaler Einstellbetrieb mit durchschnittlichen Einstellpreisen kann aus wirtschaftlichen Gründen diesen Service nicht bieten. Alte und unreitbare Pferde erfordern Zeit: Zeit ist Geld! Schließlich muss auch ein Reitbetrieb leben, so lässt sich ein billiges Abstellen nicht mit einer individuell pferdegerechten Haltung, Fütterung, Betreuung, Pflege und medizinischen Versorgung vereinbaren. Letztlich ist ein pferdegerechtes Zuhause jedoch langfristig die günstigere Alternative, da durch Umsicht, Weitsicht und verantwortlichem Handeln mit Pferdeverstand Folgekosten eingespart werden und unnötige Tierarztkosten gar nicht erst entstehen. Und – das ist wohl der wichtigste Aspekt – ein noch langes und vor allem lebenswertes Leben des geschwächten/alten und unreitbaren Pferdes ermöglichen!

Von mir für den Pferdeanzeiger im November 2003

Schicksale unreitbarer Pferde

Traurig:

Der Pferdebesitzer, der erst einmal erkannt hat, dass auch – oder gerade – unreitbare Pferde hohe Kosten verursachen und materielle den emotionalen Aspekten voranstellt, verkauft sein altes und/oder unreitbares/erkranktes Pferd an denjenigen, dem der materielle Hintergrund für ein gesundes Pferd fehlt. Fatal: Ein altes unreitbares Pferd verursacht immense für den Unerfahrenen nicht überblickbare Kosten und wird – nach Erkenntnis – weiter verkauft. Traurig: Organisationen, die sich mit besten Absichten zur Aufgabe gemacht haben, diese armen Kreaturen pferdegerecht in Lebensstellung ohne Profit zu vermitteln, scheitern am Materialismus der Pferdebesitzer. Traurig, wenn man liest: “Welcher erfahrene Pferdemensch will unserem blinden Knabstrupper ein neues, artgerechtes Zuhause geben?

Er ist 12 Jahre alt; leider hat er auch eine Stauballergie. Das Pferd wird nicht verschenkt, es soll 1.000,00 Euro kosten, nur mit Schutzvertrag, da wir ihn selbst vom Tierschutz haben”. (Man stelle sich einmal vor, blind zu sein, in eine völlig fremde Umgebung zu kommen, den Transport zu ertragen, die fremden Pferde usw.). Traurig, wenn hier der “Pferdeliebhaber” zum privaten An- und Verkauf wird; wenn Gnadenbrotpferde “gegen Schutzgebühr” von einer Hand zur anderen wandern, wenn unreitbare Pferde verschenkt und weiterverkauft werden, wenn angebliche “Gnadenbrothöfe” ihre Dienste zu Preisen anbieten, bei denen keine Leistung erbracht werden kann. Die gute Absicht durchschaut man allzu leicht, wenn es beispielsweise heißt: “Suche für meinen alles geliebten Monty, leider wegen Spat unreitbar, ein gutes lebenslanges Zuhause. Monty kostet 1.500,00 Euro. Meinen geliebten Monty kaufte ich erst vor 5 Monaten, leider ist er nun nicht mehr reitbar und ich möchte ein reitbares Pferd. Der Tierarzt sagt aber, Monty kann bald wieder geritten werden, er benötigt dann aber Teufelskrallekapseln (Anm.: Kapseln werden vom Pferdedarm nicht aufgeschlossen). Keinesfalls will ich ihn aber zu dem Pferdehändler, von dem ich ihn kaufte, zurückgeben. Wenn ich auf diesem Wege keinen Käufer finde, muss ich dies jedoch!”

Dem Mädel möchte man sagen: Erlerne erst einmal grundsätzliche anatomische Kenntnisse des Pferdes, um zu erkennen, ob ein Pferd gesund oder krank ist, erlerne das Wesen, die Fütterung, die Haltung und so ganz pferdetypische Erkrankungen wie Spat bzw. wie Du diese erkennen kannst und kaufe Dir dann nach reiflicher Überlegung und mit Pferdeliebe ein Pferd. Hältst Du dieses für unnötig, dann stehe zu Deiner Unfähigkeit, Deiner Bequemlichkeit und behalte dieses, Dein krankes Pferd, was Du Dir aus Unkenntnis und Bequemlichkeit gekauft hast.

Fange an, Dein krankes Pferd zu lieben und versuche nicht, es dem nächsten Unwissenden unterzujubeln, denn auch dieser sucht ein Reitpferd, denn auch dieser kann Dein Pferd nicht reiten und auch dieser hat garantiert kein Geld, Dein Pferd dauerhaft medizinisch betreuen zu lassen, auch dieser wird kein Geld haben, Dein Pferd pferdegerecht unterzubringen, denn hätte dieser das Geld, würde er sich kein krankes Pferd kaufen, sondern ein gesundes; denn er möchte dieses ja durch Deinen Hinweis auf die Aussage des Tierarztes einmal reiten! Die Liebe zu einem Pferd endet nicht, wenn dieses Pferd unreitbar wird, wenn dieses Pferd Geld kostet und wenn dieses Pferd unbequem wird. Du schreibst, Du willst Deinen über alles geliebten Monty keinesfalls an den Pferdehändler, von dem Du ihn kauftest, zurückgeben: Ja, war dieser denn wirklich noch unmenschlicher, noch mit weniger Pferdeliebe gesegnet, als Du es bist?

Natürlich gibt es auch Pferdemenschen, welche aufgrund finanzieller Not nicht in der Lage sind, ihr Gnadenbrotpferd pferdegerecht unterzubringen, wie es auch Pferde und Ponys gibt, für die sich grundsätzlich niemand verantwortlich fühlt. Auch ist oft die Erlösung des Pferdes die einzig tierliebe Alternative, nämlich dann, wenn das Pferd unter großen Schmerzen leidet und sein Dasein zur Qual wird, keine Frage. Es gibt aber auch die leidigen Schlachttiertransporte, die neben Haflingern und Kaltblütern auch die Freiberger in der Schweiz betreffen. Jedes Jahr im Herbst, wenn die Fohlen abgesetzt werden, wandern Hunderte von ihnen nach qualvollem Transport auf die Schlachtbank. Die Zustände im Schlachthof sind zum großen Teil furchterregend!

Getötet werden Fohlen, für die im entscheidenden Moment der Auktion kein Käufer vorhanden ist. 90 % dieser Tiere gehen auf qualvolle Transporte nach Italien und Frankreich, da dort der Erlös um ein paar Euro höher liegt. Der Grund für dieses Vorgehen liegt in einem Überangebot besonders an Hengstfohlen. Es sind Tiere, die der Besitzer nicht zur Aufzucht und Ausbildung behalten will, weil er nicht bereit ist, Geld zu investieren. Die Fohlen sind gesund und in keiner Weise “weniger wert” als andere.

Das Tierheilkundezentrum möchte aktive Hilfe leisten. Wir haben hier die optimalen Bedingungen und möchten helfen einigen dieser Fohlen dieses grausame Schicksal zu ersparen. Natürlich ist die Ursache nicht behoben, natürlich können wir nur wenige retten. Es liegt leider nicht in unserer Macht, dieses grausame Vorgehen ursächlich anzugehen. Doch können wir nicht länger wegschauen und sind der Ansicht: Besser einigen wenigen dieses Schicksal zu ersparen, als keinem der Fohlen! Auch steter Tropfen höhlt den Stein. Wir wollen einige dieser armen Pferdekreaturen ohne Chance bei uns aufnehmen.

Jedes Pferd/Pony, was wir retten werden, bleibt bis zum Tod im Zentrum für ganzheitliche Tierheilkunde; wir werden diese armen Mitgeschöpfe nicht mehr weitervermitteln!

Von mir für den Haustieranzeiger und Pferdeanzeiger im Dezember 2003

Neuer Trend?
Wellness, Kur- und Erholungsurlaub für Pferde,
Rehabilitation für Rekonvaleszenten

Der Trend in der Pferdehaltung geht – ebenso wie beim Menschen – zu verschiedenen Wellness-Angeboten.

Wellness – der neue Gesundheitsbegriff – was bedeutet er für unsere Pferde?

Wellness steht einerseits für Wohlbefinden, Wohlfühlen, sich “verwöhnen lassen”, Entspannung und Erholung, andererseits für Fitness, Aktivität, Spaß und ein positives Lebensgefühl. Wellness hat das psychisch-physische Gleichgewicht zum Ziel: Seele und Körper finden Vitalisierung, Regulation, Entspannung und tragen so zu einem ganzheitlichen Gleichgewicht bei. Nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier sind die Zusammenhänge zwischen Körper und Seele in Bezug auf Gesundheit oder Krankheit hinreichend bekannt. Ein sich rundherum wohlfühlendes und glückliches Pferd wird – pferdegerechte Haltung vorausgesetzt, welche Wohlbefinden beim Pferd grundsätzlich voraussetzt – bei der Ausheilung von Erkrankungen kaum Probleme zeigen, da auch der psychische Aspekt eine wichtige Rolle spielt und zur Gesundung nicht unerheblich beiträgt. Ansprüche an Wellness bei Pferden sind zwar vom Grundgedanken her dieselben wie bei uns Menschen, doch in der Praxis sehen diese natürlich anders aus.

Fallbeispiele zur Wellness bei Pferden:

Für das Sport- und Turnierpferd nach einer anstrengenden Saison bedeutet Wellness der 24-stündige Weideaufenthalt mit der Herde ohne Leistungsdruck des Menschen. Ansprüche an Wellness heißen hier Entspannung, Erholung, freie Bewegungsmöglichkeiten und ein “normaler” Pferdealltag: Das Herumtollen mit anderen Pferden, das Leben in der Herde – der Familie der Pferde – und die Möglichkeit zur ständigen freien Bewegung, für die im Alltag wenig Zeit, Platz und Raum ist.

Ein wenig komfortabel sollte es schon sein: Weitreichende Weideflächen, die Möglichkeit, sich in einen qualitätsvoll eingestreuten Offenstall zurückzuziehen, zusätzliches Raufutterangebot und auch auf die Streicheleinheiten des Menschen muss nicht verzichtet werden.

Bei steigenden Außentemperaturen geniest das gestresste Pferd ein Fußbad im kühlen Bach, das vorsichtige Abspritzen der Extremitäten und bei persönlicher Vorliebe weitere Angebote der Hydrotherapie. Auch der ausreichende Schutz vor Ektoparasiten gehört bei Pferden zum unbeschwerten Weideaufenthalt, im weitesten Sinne zur Wellness. Wohltuende Ergänzungen sind Massagen zur Lockerung der Muskulatur. Abergerundet wird das Angebot durch verschiedene Maßnahmen zur Erhaltung von Kondition und Fitness. Im Fall des Entspannung suchenden Turnierpferdes würden kleine Tricks große Wirkung zeigen, so tragen weite Wege zum Trinkwasser wie auch zum Stall dafür Sorge, dass natürliche Bewegung zwingend erforderlich wird. Ergänzend kann – je nach Einzelfall – auch Bewegungstherapie und Konditionstraining zur Anwendung kommen.

Das Wellnessangebot für Pferde mit Atemwegserkrankungen enthält zusätzlich verschiedene Aromatherapien mit ätherischen Ölen, Inhalationen, lange Spaziergänge im Schritt und frischer Luft sowie die speziellen Kräutermischungen zur Verflüssigung von Sekreten und Erleichterung des Abhustens. Das Klima des Erholungsortes für Pferde mit Atemwegserkrankungen sollte möglichst rau mit viel Wind sein. Besonders geeignet sind Bergweiden über 500 m und Küstenregionen.

Hier fühlt sich auch das Pferd mit Sommerekzem wohl!

Wellness Angebote für Pferde mit Hauterkrankungen wie zum Beispiel dem Sommerekzem beinhalten verschiedene lokale Anwendungen der erkrankten Hautbezirke, welche den Juckreiz nehmen und angegriffene Haut pflegen und entspannen. Wellness für Pferde mit Erkrankungen des Bewegungsapparates sollte individuell nach Erkrankungsbild durchgeführt werden und kann daher nicht allgemein beantwortet werden.

Wohlbefinden kann bei Erkrankungen des Bewegungsapparates gefördert werden durch verschiedene lokale Anwendungen. Wellness für Pferde bedeutet: Seele, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen. Der Aspekt der Ganzheitlichkeit wird gewahrt. Ganzheitlichkeit bedeutet, das Pferd in seiner Gesamtheit zu erfassen.

So ist Wellness das Zusammenspiel von pferdegerechter Haltung und Fütterung, verschiedenen lokalen Anwendungen zur Vitalisierung und Entspannung, Fitness, psychischer Aspekte, Abwechslung, pferdegerechtem Umgang, das Erfassen, Umsetzen und Einfühlen in das individuelle Pferd (ein Jungpferd hat andere Ansprüche an Wellness als der Senior) und die Gabe Wohlbefinden, Glücklichsein, Zufriedenheit und ein positives Lebensgefühl – was nicht uns Menschen vorbehalten bleibt – im individuellen und speziellen Pferd zu erzeugen!

Wellness für Pferde kann verschiedene Anwendungen wie Solarium, Aqua-Trainer, Schwimmbad, Sauna, Laufband, Führmaschine, Bewegungstherapie und Hydrotherapie beinhalten.

Naturheilkundliche Therapien ergänzen das Angebot. Denkbar wären Lymphdrainage, Magnetfeld-Therapie, Massagen, Akupressur, APM, Homöopathie, Phytotherapie und Ausleitungsverfahren. Diese Therapien sollten jedoch dem Fachkundigen vorbehalten bleiben, um Positives zu bewirken, nicht Negatives zu verstärken.

Wellness für Pferde ist grundsätzlich auf das betroffene Pferd abzustimmen und nicht jede Maßnahme kann auf jedes Pferd anwendbar sein. So stellt die Hydrotherapie für das “wasserliebende” Pferd Wellness pur, für das sich vor Wasser fürchtende Pferd Stress, Panik und Unwohlsein dar. Unterschiede zum Kur- und Erholungsurlaub für Pferde bestehen insoweit, das bei dieser Form der Fremdunterbringung ausschließlich Wohlbefinden, Ruhe, Erholung und Entspannung geboten wird. Auf Fitness in Form von Bewegungstherapien und Maßnahmen zur Konditionierung sowie Vitalisierung des Körpers wird weitgehend verzichtet. Prioritäten setzen der Wechsel der gewohnten Umgebung und im besten Fall optimale Bedingungen einer pferdegerechten Haltung, die in der gewohnten Umgebung selten geboten werden können.

Gründe, sein Pferd in Kur- und Erholungsurlaub zu geben, gibt es Zahlreiche, zum Beispiel:

Zur Zeit bestehen reiterliche oder im Umgang zu findende Probleme mit dem eigenen Pferd, man hat den Eindruck, man benötige ein wenig Abstand, um die vorhandenen Schwierigkeiten besser bewältigen zu können.

Der Pferdehalter hat – aus verschiedenen Gründen – den Eindruck, ein Wechsel der Umgebung würde seinem Pferd gut tun.

Der Pferdehalter fährt in Urlaub und möchte sein Pferd in dieser Zeit bestens versorgt und betreut wissen.

Krankheits- oder Abwesenheitsgründe des Pferdehalters sind Faktoren für eine vorübergehende Fremdunterbringung des Pferdes.

Eine anstrengende Turniersaison benötigt das “Auftanken” neuer Kräfte.

Das Pferd zeigt nach längerer Krankheits- und Rehabilitationsphase Probleme bei der Genesung.

Die Ausheilung einer Erkrankung wird durch die am Stall praktizierte Haltung erschwert.

Auch die Rehabilitation von Rekonvaleszenten ist manchmal in der gewohnten Umgebung schwierig zu praktizieren. Manchmal fehlt das erforderliche Maß an Zeit und Aufwand, welches zwingend für die Genesung erforderlich ist, Beruf und Familie fordern ihren Tribut und die Zeit für das Pferd ist begrenzt. Aspekte für eine Fremdunterbringung bei Erkrankung bzw. zur Genesung sind Hilflosigkeit in Bezug auf die vorhandene Erkrankung, Überforderung und Zeitdefizite des Pferdehalters sowie nicht optimale Haltungsbedingungen am Standort des Pferdes. Eine sinnvolle Alternative für Pferd und Pferdehalter ist die Unterbringung in einem Rehabilitationszentrum oder eine stationäre Aufnahme des Pferdes.

Es fällt oft schwer, das geliebte Pferd “wegzugeben”; eine Fremdunterbringung unter optimalen Bedingungen bietet jedoch die Chance zur Ausheilung und Gesundung mit fachkundiger Hilfe. Genesungsfördernde Therapien und bestmögliche Bedingungen sind von unschätzbarem Wert für den Heilungserfolg.

Wellness-Angebote, Kur- und Erholungsurlaub für Pferde, Rehabilitation für Rekonvaleszenten und nicht zuletzt die stationäre Aufnahme erkrankter Pferde stellt nicht nur einen “neuen Trend” dar, sondern ebnet sinnvolle Wege, eine Chance und einen Neuanfang für Pferd und Pferdehalter!

Von mir für den Pferdeanzeiger Oktober 2003

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