Das bin ich…

Tierheilkundezentrum Claudia Nehls

Manchmal komme ich mir vor, als wenn ich weit über 100 Jahre alt wäre und ich bin selbst überrascht, wie jung ich dafür noch aussehe :-)

Jeden Tag passiert so viel, jeden Tag höre ich so viel, ich könnte Bücher, echt viele, darüber schreiben. Natürlich verändert man sich und seine Blickrichtung, ich kann wirklich nicht sagen, dass das alles an mir abprallt, ganz im Gegenteil. Ich bin kein anderer Mensch geworden in den ganzen Jahren, doch ich sehe viele Dinge einfach ganz anders, beispielsweise habe ich gelernt, glückliche Momente zu genießen und mir ist bewusst, dass tatsächlich jede Sekunde mit einem meiner geliebten Tiere tatsächlich die Letzte sein könnte, daher genieße ich jeden Moment, jeden Augenblick, jeden Kuss meiner so geliebten Pferde und egal wie schlimm mein Tag auch war, ich schöpfe aus jeder Sekunde mit meinen Pferden Kraft und ich versuche heute jede Sekunde zu genießen, das war anfangs nicht der Fall, das musste ich erst lernen durch sooo viele Erfahrungen, Gespräche, Telefonate und letztlich natürlich auch eigene sehr schmerzliche Erfahrungen…

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Erlösung?

Manche Geschichten gehen einem nie wieder aus dem Kopf und viele Jahre denkt man immer wieder an sie zurück:

Seit vielen Jahren versorgte ich das Pony Bubi, inzwischen weit über 30 Jahre alt, mit meinen Futtermitteln und Natalie, die Besitzerin mit guten Tipps. Unsere gemeinsame Geschichte begann damit, dass Natalie mich oft und lange anrief und nach Rat fragte. Mich ärgerte das anfangs ziemlich, da meine begrenzte Zeit so knapp ist, dass mir die Zeit fehlte, stundenlang mit Natalie über ihr Pony Bubi zu debattieren. Ich bemühte mich, ihr meine wesentlichen Tipps, Empfehlungen und Vorschläge zu unterbreiten, ohne dafür stundenlang am Telefon blockiert zu werden. Natalie rief jedoch immer wieder an und ließ sich auch irgendwie überhaupt nicht abwimmeln. Irgendwann nach dem zehnten Gespräch erklärte ich ihr dann, dass das so überhaupt keinen Sinn hätte, ich erkläre ihr stetig Verbesserungen, die sie aus Geldmangel nicht umsetze, ich aber so einfach überhaupt nicht helfen könnte. Entweder, sie würde meine Empfehlungen nun mal nur ansatzweise umsetzen oder, ja oder, sie solle sich einfach nicht mehr an mich wenden. So, das hatten wir geklärt! Meine Worte jedoch hatten gefruchtet, darauf kam es an: Natalie optimierte die Fütterung von Bubi und begann auch, ihn homöopathisch nach meinen Empfehlungen aufgrund der Haaranalyse zu therapieren. So brachten wir die nächsten Jahre mit Bubi ganz gut rum. Klar, mit über 30 Jahren konnte ich ihn auch nicht mehr zum Jüngling machen, aber seine Lebensqualität doch erheblich verbessern. Bis etwa vor einem halben Jahr. Es begann relativ harmlos mit einer unklaren Lahmheit. Am Ende standen viele verschiedene Tierärzte und viele verschiedene Diagnosen. Ebenso sehr unterschiedliche Behandlungsansätze, was die lokale Hufsituation anbelangte. Bei Bubi wurde erst einmal relativ harmlos eine hohle Wand festgestellt, daraufhin wurden verschiedene Maßnahmen lokaler Art ergriffen (Gips, Hufbeschläge etc.). Die nächste Diagnose war dann eine tiefgreifende Entzündung in der hohlen Wand mit Eiterkanälen und Fistelungen. Nach der OP, die Bubi gut überstand, war das Thema lange nicht beendet. Es wurde und wurde nicht besser, die Entzündung blieb und wurde immer schlimmer. Bubi bekam nun schon über Monate Schmerzmittel, die kaum griffen, ihm jedoch arge Magenprobleme und Appetitmangel bescherten. Es wurde immer schwerer, Bubi bei Figur zu halten. Er magerte zusehends ab und es gab wenig, was er gerne und mit Appetit fraß. So machte er es uns auch immer schwerer, seine Kräuter in ihn reinzubringen. Bubi stand nun schon seit Monaten bei dem behandelnden Tierarzt in der Klinik und seine Situation wurde und wurde nicht besser. Der Tierarzt stellte Natalie dann vor die Entscheidung, dass es so nicht mehr weiter gehe und eine Entscheidung getroffen werden musste. Er schlug einen Nervenschnitt oder die Erlösung von Bubi vor. Letztlich wurde keine Maßnahme an Bubi durchgeführt, zu der Natalie mich telefonisch nicht befragte. Mein Problem dabei war, dass ich meist grundsätzlich anderer Meinung wie der behandelnde Tierarzt war. Natalie wiederum hatte ihren Bubi bei dem behandelnden TA untergebracht und musste letztlich auf ihn hören. So vergingen Monate. Immer wieder wies ich beispielsweise daraufhin, wie wichtig eine lokale Erleichterung durch passende Maßnahmen an den Hufen wäre, wie wichtig es wäre, einen wirklich versierten Huffachmann für Bubi zu bestellen. Schließlich ist der TA kein gelernter Hufschmied und die Maßnahmen hätten meines Erachtens nach mit einem versierten Hufschmied/Hufpfleger zusammen bedacht und ausgeführt werden müssen. Der Nervenschnitt wurde dann erst einmal durchgeführt. Auch den überlebte Bubi gut. Danach bekam Bubi Gips. Dann einen Beschlag mit herausnehmbarer Platte. Ich bekam zwar alles erzählt, war jedoch zu weit weg, um mir ein wirkliches Bild machen zu können. Meist weinte Natalie am Telefon. Manches vergaß sie mir zu erzählen bzw. verstand ich es vielleicht nicht. Problematisch war am Ende, dass das andere Bein Probleme bereitete: auch hier eine hohle Wand und tiefgreifende Entzündungen. Nächste Diagnose: Hufrehe aufgrund Belastung auf dem Nervenschnitt freien, also ehemals gesunden Bein. Verschiedene lokale Maßnahmen folgten erneut: Gips. orthopädischer Beschlag, barfuß etc..

Mein Part war die homöopathische Behandlung und die Fütterung. Die Umsetzung meiner Empfehlungen wurde jedoch von Woche zu Woche schwieriger, weil Bubi aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands und der großen Schmerzen kaum noch fraß. Natalie bekam weder Globuli noch Kräuter in den Bubi, da er mehr und mehr das Fressen komplett verweigerte.

Viel wichtiger als die innere Behandlung war bei Bubi inzwischen jedoch die lokale Bearbeitung der Hufe. Hierbei konnte ich nicht helfen, da ich einerseits weit weg war und mir andererseits keine Empfehlung bei derart unklaren Befunden, die fast täglich wechselten, einfiel.

Nach vielen Monaten, in denen sehr vieles versucht wurde (einiges davon leider absolut das Falsche..), rief Natalie an und sagte, sie würde die Entscheidung abwägen, Bubi einschläfern zu lassen. Wie gesagt, ich war weit weg, sah Bubi nicht, konnte seinen Zustand nur erahnen, wie er mir geschildert wurde. Auch in diesem letzten Gespräch wies ich Natalie wie schon dutzende Male vorher darauf hin, wie wichtig die lokale Hufsituation und ein Optimum derer für Bubi ist. Ich verwies an einen versierten Huforthopäden und bat sie, mit ihm Kontakt aufzunehmen und Bubis Situation mit ihm zu besprechen. Bei diesem Gespräch erzählte mir Natalie auch, dass Bubi die letzten Wochen nur auf dem Bein mit Nervenschnitt beschlagen war und das andere Bein unbeschlagen, also barfuß war. Mein Gott dachte ich, habe ich das überhört, warum hat sie das früher nicht erzählt? Dieser Umstand begünstigte selbstverständlich enorm eine Belastungsrehe mit Entzündungen und Abszessen auf dem ehemals gesunden Bein. Mich belastete die Bubi Geschichte sehr, Natalie weinte meist am Telefon, rief häufig an, ich konnte ihr vor Ort überhaupt nicht helfen und wusste von Anfang an, wie wichtig die lokale Hufsituation in Bubis Situation war.

Andererseits weiß ich, wie schwer es ist, einen wirklichen Huffachmann zu erhaschen, manchmal denke ich, wie ein Sechser im Lotto. Unser letztes Gespräch war bereits eine Woche her, morgens erreichte mich eine SMS, dass Bubi heute eingeschläfert wird. Mein Mann meinte, die SMS höre sich so an, als wenn Natalie, für die Bubi ihr Leben war, mit sterben wolle… Seither habe ich zwei Mails geschrieben, keine Antwort erhalten… Natürlich mache ich mir jetzt erst einmal Sorgen um Natalie und denke, dass es Bubi jetzt ganz sicher besser gehen wird. Er hat gekämpft, alle haben gekämpft, doch mancher Kampf kann nur verloren werden. Bubi hatte ein sehr schönes Alter erreicht, ein tolles Leben gehabt, wurde abgöttisch geliebt. Ich meine: Es war unbedingt die richtige Entscheidung! Warum sollten Bubi noch mehr Schmerzen zugemutet werden, warum ein Leben um jeden Preis noch ein wenig verlängern mit diesen starken Schmerzen und so gut wie keiner Aussicht auf Besserung?

Natalie, es war wirklich eine gute Entscheidung!

Ich weiß nicht, vielleicht ist es auch die Namensgleichheit mit meinem Pony Bubi, ich berichte über seinen Tod unter dem Link Pferdehimmel: Diese Geschichte hat mich wirklich sehr beschäftigt und auch sehr traurig gemacht.

Wir Menschen müssen lernen, unsere Tiere gehen zu lassen, wenn die Zeit gekommen ist und wir müssen es schaffen, an Vergangenes ohne Wehmut zurückzudenken mit dem sicheren Verständnis dafür, dass wir richtig gehandelt haben, dem Tier keine weiteren Schmerzen mehr zuzumuten. Den Trennungsschmerz haben nur wir Menschen, unseren Tieren geht es besser, wenn wir sie aus schmerzvollen Leiden erlösen, dann, wenn keine Hoffnung mehr besteht oder dann, wenn ein längeres Leiden aus unserer Liebe zu den Tieren heraus nicht mehr zumutbar ist. Irgendwann müssen wir uns trennen, unsere Tiere leben normalerweise viel kürzer als wir, so verzögern wir nur den Abschied um einige Zeit und muten unseren Tieren aus Trennungsangst manchmal enorme Schmerzen zu. Aus vielen ähnlichen Erfahrungen, die das Leiden nur verlängert haben, schließlich weiß man nie, was am Ende steht, daher versucht man oft alles, auch, wenn die Chance gering ist, nehme ich für mich einmal wieder die Erfahrung mit, dass ich meine Tiere nicht lange Schmerzen aussetzen werde, wenn es einmal so weit ist. Auch heute bin ich mir sicher, dass ich damals bei meinem Bubi die richtige Entscheidung traf, ein schnelles Ende ohne weitere Versuche, zu denen der TA mir damals riet. Bisher konnte ich mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen, welches mir sagt, welchen Weg wir wann gehen, so werde ich es auch in Zukunft halten: Eine gewisse Zeit lang, die eingrenzbar und für das Tier zumutbar ist, sollte man selbstverständlich alle nur irgendwie möglichen Therapien ausschöpfen, jede noch so kleine Chance nutzen; wenn jedoch alles keinen Erfolg verspricht, ist das Loslassen eine kluge Entscheidung!

 

Tierheilkundezentrum Claudia Nehls

Tierheilkundezentrum Claudia Nehls