
Das Tagebuch aus der Tierheilpraxis Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Da ich im Rahmen meiner Tierheilpraktiker Tätigkeit vieles Schöne und Erfreuliche, einiges Kuriose erlebe und auch manch traurige Erlebnisse habe, habe ich mich entschlossen, ein öffentlich zugängliches Tierheilpraktiker Tagebuch zu schreiben. Vielleicht ist es für den ein oder anderen Tierheilpraktiker in der Ausbildung interessant, wie der Alltag in der Tierheilpraxis später verlaufen könnte, auch interessiert vielleicht einige Tierliebhaber der Tierheilpraxis Alltag. Wie auch immer, ganz bestimmt können Sie sich ein besseres Bild davon machen, was der Tierheilpraktiker den ganzen Tag so macht! Ich gehöre ja bekanntermaßen zu den Tierheilpraktikerinnen, die sich ihre Zeit enorm einteilen müssen, um den Tierheilpraxis Alltag zu bewältigen. Aus diesem Grunde wird mein Tierheilpraktiker Tagebuch sporadisch geführt werden, immer wenn ich die Zeit finde, schreibe ich einige wichtige Geschehnisse auf und würde mich freuen, wenn den Leser meine Erlebnisse interessieren. Da dies hier mein Tagebuch wird, werde ich so schreiben, wie mir gerade zumute ist. Der Schreibstiel meines Tierheilpraktiker Tagebuches wird sich sicher von meinen Fachartikeln für verschiedene Zeitschriften unterscheiden, da ich so schreiben möchte, wie mir gerade "der Schnabel gewachsen ist", also ohne Überarbeitung und nochmaliges Lesen, ob das Tagebuch so öffentlichkeitstauglich ist. Es wird ein Stück von mir werden, von meinen Gedanken, meinen Erlebnissen als Tierheilpraktiker und das wiederspiegeln, was ich in der Tierheilpraxis empfinde. Das Tierheilpraktiker Tagebuch wird sicher Stellen zum Lachen, aber auch Passagen zum Weinen mit sich bringen. Vielleicht gibt es auch Passagen zum Schmunzeln und hoffentlich ganz viele zum Nachdenken!
Tierheilpraktiker Tagebuch Juli 2010
Seit ca. 4 Jahren versorge ich das Pony Bubi, inzwischen weit über 30 Jahre alt, mit meinen Futtermitteln und Natalie, die Besitzerin mit guten Tipps. Unsere gemeinsame Geschichte begann damit, dass Natalie mich oft und lange anrief und nach Rat fragte. Mich ärgerte das anfangs ziemlich, da meine begrenzte Zeit so knapp ist, dass mir die Zeit fehlte, stundenlang mit Natalie über ihr Pony Bubi zu debattieren. Ich bemühte mich, ihr meine wesentlichen Tipps, Empfehlungen und Vorschläge zu unterbreiten, ohne dafür stundenlang am Telefon blockiert zu werden. Natalie rief jedoch immer wieder an und ließ sich auch irgendwie überhaupt nicht abwimmeln. Irgendwann nach dem zehnten Gespräch erklärte ich ihr dann, dass das so überhaupt keinen Sinn hätte, ich erkläre ihr stetig Verbesserungen, die sie aus Geldmangel nicht umsetze, ich aber so einfach überhaupt nicht helfen könnte. Entweder, sie würde meine Empfehlungen nun mal nur ansatzweise umsetzen oder, ja oder, sie solle sich einfach nicht mehr an mich wenden. So, das hatten wir geklärt! Meine Worte jedoch hatten gefruchtet, darauf kam es an: Natalie optimierte die Fütterung von Bubi und begann auch, ihn homöopathisch nach meinen Empfehlungen aufgrund der Haaranalyse zu therapieren. So brachten wir die nächsten Jahre mit Bubi ganz gut rum. Klar, mit über 30 Jahren konnte ich ihn auch nicht mehr zum Jüngling machen, aber seine Lebensqualität doch erheblich verbessern. Bis etwa vor einem halben Jahr. Es begann relativ harmlos mit einer unklaren Lahmheit. Am Ende standen viele verschiedene Tierärzte und viele verschiedende Diagnosen. Ebenso sehr unterschiedliche Behandlungsansätze, was die lokale Hufsituation anbelangte. Bei Bubi wurde erst einmal relativ harmlos eine hohle Wand festgestellt, daraufhin wurden verschiedene Maßnahmen lokaler Art ergriffen (Gips, Hufbeschläge etc.). Die nächste Diagnose war dann eine tiefgreifende Entzündung in der hohlen Wand mit Eiterkanälen und Fistelungen. Nach der OP, die Bubi gut überstand, war das Thema lange nicht beendet. Es wurde und wurde nicht besser, die Entzündung blieb und wurde immer schlimmer. Bubi bekam nun schon über Monate Schmerzmittel, die kaum griffen, ihm jedoch arge Magenprobleme und Appetittmangel bescherten. Es wurde immer schwerer, Bubi bei Figur zu halten. Er magerte zusehens ab und es gab wenig, was er gerne und mit Appetitt fraß. So machte er es uns auch immer schwerer, seine Kräuter in ihn reinzubringen. Bubi stand nun schon seit Monaten bei dem behandelnden Tierarzt und seine Situation wurde und wurde nicht besser. Der Tierarzt stellte Natalie dann vor die Entscheidung, dass es so nicht mehr weiter gehe und eine Entscheidung getroffen werden musste. Er schlug einen Nervenschnitt oder die Erlösung von Bubi vor. Letztlich wurde keine Maßnahme an Bubi durchgeführt, zu der Natalie mich telefonisch nicht befragte. Mein Problem dabei war, dass ich meist grundsätzich anderer Meinung wie der behandelnde Tierarzt war. Natalie wiederum hatte ihren Bubi bei dem behandelnden TA untergebracht und musste letztlich auf ihn hören. So vergingen Monate. Immer wieder wies ich beispielsweise daraufhin, wie wichtig eine lokale Erleichterung durch passende Maßnahmen an den Hufen sind, wie wichtig es wäre, einen wirklich versierten Huffachmann für Bubi zu bestellen. Schließlich ist der TA kein gelernter Hufschmied und die Maßnahmen hätten meines Erachtens nach mit einem versierten Hufschmied zusammen bedacht und ausgeführt werden müssen. Der Nervenschnitt wurde dann erst einmal durchgeführt. Auch den überlebte Bubi gut. Danach bekam Bubi Gips. Dann einen Beschlag mit herausnehmbarer Platte. Ich bekam zwar alles erzählt, war jedoch zu weit weg, um mir ein wirkliches Bild machen zu können. Meist weinte Natalie am Telefon. Manches vergaß sie mir zu erzählen bzw. verstand ich es vielleicht nicht. Problematisch war am Ende, dass das andere Bein Probleme bereitete: auch hier eine hohle Wand und tiefgreifende Entzündungen. Nächste Diagnose: Hufrehe aufgrund Belastung auf dem Nervenschnitt freien, also ehemals gesunden Bein. Verschiedene lokale Maßnahmen folgten erneut: Gips. orthopädischer Beschlag, barfuß etc..
Mein Part war die homöopathische Behandlung und die Fütterung. Viel wichtiger war jedoch die lokale Bearbeitung der Hufe. Hierbei konnte ich nicht helfen, da ich einerseits weit weg war und mir andererseits keine Empfehlung bei derart unklaren Befunden, die immer wieder wechselten, einfiel. Nach vielen Monaten, in denen alles versucht wurde, rief Natalie an und sagte, sie würde die Entscheidung abwägen, ihn einschläfern zu lassen. Wie gesagt, ich war weit weg, sah Bubi nicht, konnte seinen Zustand nur erahnen, wie er mir geschildert wurde. Auch in diesem letzten Gespräch wies ich Natalie wie schon dutzende Male vorher darauf hin, wie wichtig die lokale Hufsituation und ein Optimum derer für Bubi ist. Ich verwies an Burkhard Rau und bat sie, mit ihm Kontakt aufzunehmen und Bubis Situation mit ihm zu besprechen. Bei diesem Gespräch erzählte mir Natalie auch, dass Bubi die letzten Wochen nur auf dem Bein mit Nervenschnitt beschlagen war und das andere Bein unbeschlagen, also barfuß war. Mein Gott dachte ich, habe ich das überhöhrt, warum hat sie das früher nicht erzählt? Dieser Umstand begünstigte selbstverständlich enorm eine Belastungsrehe mit Entzündungen und Abzessen auf dem ehemals gesunden Bein. Mich belastete die Bubi Geschichte sehr, Natalie weinte meist am Telefon, rief häufig an, ich konnte nur die innerliche Therapie übernehmen, ihr vor Ort überhaupt nicht helfen und wusste von Anfang an, wie wichtig die lokale Hufsituation in Bubis Situation war.
Andererseits weiß ich, wie schwer es ist, einen wirklichen Huffachmann zu erhaschen, manchmal denke ich, wie ein Sechser im Lotto. Unser letztes Gespräch ist bereits eine Woche her, morgens erreichte mich eine SMS, dass Bubi heute eingeschäfert wird. Mein Mann meinte, die SMS höre sich so an, als wenn Natalie, für die Bubi ihr Leben war, mit sterben wolle... Seither habe ich zwei Mails geschrieben, keine Antwort erhalten... Natürlich mache ich mir jetzt erst einmal Sorgen um Natalie und denke, dass es Bubi jetzt ganz sicher besser gehen wird. Er hat gekämpft, wir haben alle gekämpft, doch mancher Kampf kann nur verloren werden. Bubi hatte ein sehr schönes Alter erreicht, ein tolles Leben gehabt, wurde abgöttisch geliebt. Ich meine: Es war unbedingt die richtige Entscheidung! Warum sollten Bubi noch mehr Schmerzen zugemutet werden, warum ein Leben um jeden Preis ein wenig verlängern?
Natalie, es war wirklich eine gute Entscheidung!
Ich weiß nicht, vielleicht ist es auch die Namensgleichheit mit meinem Pony Bubi, ich berichte über seinen Tod unter dem Link Pferdehimmel: Diese Geschichte hat mich wirklich sehr beschäftigt und auch sehr traurig gemacht. Wir Menschen müssen lernen, unsere Tiere gehen zu lassen, wenn die Zeit gekommen ist und wir müssen es schaffen, an Vergangenes ohne Wehmut zurückzudenken mit dem sicheren Verständnis dafür, dass wir richtig gehandelt haben, dem Tier keine weiteren Schmerzen mehr zuzumuten. Den Trennungsschmerz haben nur wir Menschen, unseren Tieren geht es besser, wenn wir sie aus schmerzvollen Leiden erlösen, dann, wenn keine Hoffnung mehr besteht oder dann, wenn ein längeres Leiden aus unserer Liebe zu den Tieren heraus nicht mehr zumutbar ist. Irgendwann müssen wir uns trennen, unsere Tiere leben normalerweise viel kürzer als wir, so verzögern wir nur den Abschied um einige Zeit und muten unseren Tieren aus Trennungsangst manchmal enorme Schmerzen zu. Aus vielen ähnlichen Erfahrungen, die das Leiden nur verlängert haben, schließlich weiß man nie, was am Ende steht, daher versucht man oft alles, auch, wenn die Chance gering ist, nehme ich für mich mal wieder die Erfahrung mit, dass ich meine Tiere nicht lange Schmerzen aussetzen werde, wenn es einmal so weit ist. Auch heute bin ich mir sicher, dass ich damals bei meinem Bubi die richtige Entscheidung traf, ein schnelles Ende ohne weitere Versuche, zu denen der TA mir riet. Bisher konnte ich mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen, welches mir sagt, welchen Weg wir wann gehen, so werde ich es auch in Zukunft halten: Eine gewisse Zeit lang, die eingrenzbar und für das Tier zumutbar ist, sollte man selbstverständlich alle möglichen Therapien ausschöpfen, wenn jedoch alles keinen Erfolg verspricht, ist das Loslassen eine kluge Entscheidung!
Alles Machbare versuchen, aber das Leiden nicht unnötig verlängern...
So begann auch ein heutiges Telefonat, es ging um die Haaranalyse einer Hündin mit Niereninsuffizienz. Der Zustand war sehr schlecht, die Hündin fraß seit Tagen nicht mehr und der behandelnde TA therapierte mehr schlecht als recht, eher gar nicht! Bei Niereninsuffizienz ist das veterinärmedizinische Mittel der Wahl Infusionen zu legen, und zwar täglich bis zur Stabilisierung, sofern diese erreichbar ist. Später dann zur weiteren Stabilisierung ein bis zwei Mal wöchentlich. Der seit Wochen behandelnde TA sah jedoch keinen Sinn in einer Gabe von Infusionen und die Hündin war bereits in einem lebensbedrohlichen Zustand. Ich erklärte am Telefon, dass eine Haaranalyse, deren Therapie erst am Montag anhand des bevorstehenden Wochenendes, also drei Tage später beginnen könne, keinen Sinn hätte. Ich empfahl, entweder sofort mit stabilisierenden Infusionen zu beginnen und dann ergänzend ab Montag die homöopathische Therapie begleitend durchführen (ich versprach die Haaranalyse am Wochenende durchzuführen, wie so oft..) oder den Hund umgehend zu erlösen. Ich sprach lange und eingehend mit der Hundehalterin und hatte den Eindruck, sie verstand erst jetzt wirklich den Ernst der Lage. Der TA hatte die Niereninsuffizienz einfach zu lange sozusagen hinplätschern lassen, ohne einen ernsthaften und umfassenden Therapieversuch zu starten. Er hatte nie eine Chance gesehen und sich entsprechend verhalten. Inzwischen war es eher 12.00 als kurz vor 12.00. Am nächsten Tag erreichte mich dann folgende Mail:
Hallo Frau Nehls, wir haben uns heute mit der ganzen Familie besprochen und zusammen beschlossen, unsere Hündin Senta von ihrem Leiden zu befreien. Wir haben sie heute am späten Nachmittag einschläfern lassen. Das mit der Haaranalyse hat sich daher erledigt. Ich möchte mich nochmals recht herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns die letzten zwei Jahre mit Ihren Produkten und so manchem persönlichen telefonischen Rat geholfen haben. Sie sind ein guter Mensch, der sein ganzes Leben den Tieren und ihrem Wohlbefinden widmet. Dafür achte ich Sie sehr. Viele liebe Grüße Sendet Ihnen ...
Es war eine kluge Entscheidung und ein gutes Telefongespräch, denn: Ich wurde verstanden!